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Achim Hiltrop
Gallaghers Rache

Eine Rezension von Nina Horvath

Bei „Gallaghers Rache“ von Achim Hiltrop handelt es sich um den fünften Band der Gallagher-Chroniken. Sicherlich, es wurde auf nicht mal eineinhalb Seiten der Versuch gemacht, dem Neueinsteiger die Ausgangssituation nahe zu bringen. Doch die Namen wirbeln nur so herum, sei es nun von Personen, Planeten oder Organisationen. Auch wenn sich der Leser durch das „Was bisher geschah“ quält, so darf er durchaus nicht mit der vollkommenen Erleuchtung rechnen. Das ganze ist und bleibt nun einmal eine Romanreihe, die weniger darauf bedacht ist, in sich geschlossene Werke zu liefern, als eine Stammkundschaft an sich zu binden.

Neben den einführenden Worten gibt es zum weiteren Verständnis noch eine Sternenkarte. Doch auch hier wäre etwas weniger sicherlich mehr gewesen: Das ganze zeigt ein relativ realistisches Bild einer Galaxie, was im Klartext bedeutet, dass annähernd spiralförmig gut tausend Punkte - die Sterne darstellen sollen - angeordnet und einzelne, nicht weiter herausragende mit Namen versehen wurden. Etwas mehr Abstraktion hätte hier zugunsten der Übersichtlichkeit sicherlich nicht geschadet. Größenverhältnisse und Form der erwähnten Planeten in ästhetischer Darstellung würden die Phantasie der Leser sicherlich mehr beflügeln als ein konfuser, schwarzweißer Sprenkelhaufen, in den fast zwei Dutzend Hinweispfeile münden.

Doch zurück zum eigentlichen Inhalt: Zunächst dreht sich alles um den entlegenen Planeten Bulsara, wo sich der Titelheld Clou Gallagher niedergelassen hat. Zwar hat er inzwischen eine Frau und eine Tochter, doch wer einmal ein lebensmüder Held war, der Wunden, die bis auf die Knochen gehen, vorzugsweise ignoriert, wird bei neuerlichem Unrecht nicht lange ruhen. Verschiedene Parteien erheben plötzlich Anspruch auf den praktisch „wiederentdeckten“ Planeten. Dieser ruft daraufhin seine Unabhängigkeit aus. Clous Heimatplanet mit dem „schönen“ Namen Trusko VII läßt sich davon anstecken und sagt sich ebenfalls vom Königreich Kerian los. Clou nimmt natürlich augenblicklich den Kampf für die Unabhängigkeitsbewegung auf. Doch das ist dieser nicht genug: Er soll ein Attentat gegen den kerianischen König ausführen. Um sich sicher zu sein, dass er das auch tatsächlich macht, schrecken seine eigenen Leute nicht davor zurück, Clous Tochter zu entführen und ihn damit zu erpressen. Daneben gibt es noch einige Nebenhandlungen, beispielsweise um den Reporter Nigel Faulckner, der die Geschehnisse mediengerecht aufarbeitet, und den kerianischen Major Tonya Delanne. Diese sollte eigentlich die Gegenspielerin Clous darstellen, doch lehnt sie sich bald auf, als sie den Befehl bekommt, die Bevölkerung eines ganzen Planeten auszuradieren. Sie nutzt das Chaos, um Admiral zu werden - das vorzeitige Ablebens ihres Vorgängers wird in einer genialen Spontanaktion als Waffenfehlfunktion dargestellt. In den weiteren Wirren schwingt sich Tonya - von der wir so ganz nebenbei und erst nach langer Zeit erfahren, dass sie Clous Ex-Freundin ist - zum Warlord auf. Sie ist eine starke Frau mit gewissen moralischen Prinzipien, aber auch mit der nötigen Skrupellosigkeit, um sich in einer derartigen Position halten zu können und für mich persönlich damit auch der überzeugendste Charakter des ganzen Buches. Leider gibt es gerade an Protagonisten einfach viel zu viele, gerade dem Neueinsteiger wird deren Bedeutung oft nicht oder einfach zu spät klar, ebenso wie die Beziehungen der Personen untereinander recht verwirrend sind.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Themen wie Krieg und Terrorismus (oder auch Freiheitskampf, denn solche Benennungen ändern sich mit dem Blickwinkel des Betrachters) zu leichtfertig abgehandelt werden. Das Verhandeln wird weitgehend den Waffen überlassen, es wird gemordet, gekämpft und vertuscht was das Zeug hält. Und selbst „die Guten“ finden das offenbar völlig in Ordnung. Trotz allem verspricht „Gallaghers Rache“ spannende Unterhaltung - sofern man das ganze nicht allzu kritisch beleuchtet.