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Albrecht Gralle
Die Weissagerin

Eine Rezension von Nina Horvath

Bei „Die Weissagerin“ handelt es sich um einen historischen Roman, der im 6. Jahrhundert angesiedelt ist.
Die Handlung beginnt mit der Reise des Subdiakons Aitulf und seiner Pflegetochter Agnes zu einem Kloster, in das sie eintreten will. Auf dem Weg wird Agnes jedoch von den heidnischen Sachsen entführt. Aitulf setzt alles daran, sie zu finden. Dazu befragt er auch eine Nonne, die die Gabe der Weissagung besitzt- allerdings ist ihr Spruch rätselhaft und schwer zu entschlüsseln, aber nach und nach gelingt es Aitulf, das Rätsel zu entwirren.
Währenddessen ist die durch die Gefangennahme verletzte und erschöpfte Agnes Gefangene im Sachsenlager, wo sie aber den Umständen entsprechend erstaunlich freundlich behandelt wird. In dem etwa gleichaltrigen Sachsenmädchen Gna findet sie sogar eine echte Freundin und auch ein Verehrer lässt nicht lange auf sich warten. Nur Gnas Mutter, die die Fähigkeit hat, sich in fremde Träume einzuschleichen, macht ihr Angst. Zufällig findet Agnes heraus, warum sie hier ist: Sie wurde als ganz besonderes Opfer für den Gott Wodan auserwählt! Sie weiß, dass ihr nur noch wenige Tage Zeit zur Flucht bleiben, die sich jedoch als sehr schwer erweist, sie wird ständig bewacht und selbst von ihren Freunden- einem jungen Mann, der zusammen mit ihr gefangen wurde und Gna, deren Glauben die Opferung als notwendig ansehen lässt, hat sie zunächst keine Hilfe zu erwarten...

An und für sich ist der Roman gut durchdacht und ich kann mir vorstellen, dass so mancher historisch Interessierte seine helle Freude an der detaillierten Beschreibung der damaligen Lebensumstände, die sehr realistisch wirken, hat. Dazu hat es mich ziemlich verblüfft, die wörtlichen Reden immer wieder in den Originalsprachen- Latein, fränkisch, gotisch, sächsisch und hebräisch zu lesen, was auf ein ungeheures geschichtliches Fachwissen des Autors schließen lässt bei der häufigen Anwendung aber eher störend und ermüdend ist. Allgemein bleibt die Spannung mitunter zwischen ausführlichen Schilderungen und Gegenüberstellung verschiedener Religionen auf der Strecke. Am Ende habe ich dann endlich erfahren, was ich niemals wissen wollte- nämlich wie das Märchen von „Frau Holle“ entstanden ist (die Ähnlichkeit ist so gewaltig, dass ein Zufall weitgehend ausgeschlossen werden kann). Was mich aber besonders gestört hat war, dass sich die phantastischen Elemente sehr in Grenzen halten, abgesehen von einer sich bewahrheitenden Weissagung geht im Grunde genommen alles mit rechten Dingen zu- dieses Buch als Fantasy zu bezeichnen (als die es allerdings auch nicht extra gekennzeichnet ist) würde meines Erachtens ein wenig zu weit führen.