Startseite

Veröffentlichungen

Vorschau

News

Leseproben

Hörproben

Bildergalerie

Presse und mehr

Rezensionen

Links

Kontakt

Lesungen

Blog

Gästebuch

 

Angela & Karlheinz Steinmüller
Warmzeit

Eine Rezension von Nina Horvath

Mit "Warmzeit" legt der Shayol Verlag den ersten Band der beliebten und mehrfach mit Preisen ausgezeichneten DDR-Autoren Angela und Karlheinz Steinmüller heraus. Die in diesem Buch versammelten Science-fiction Erzählungen werden durch Vorbemerkungen der Herausgeber, worin diese die Bedeutung des Schriftstellerehepaars darlegen, sowie einer Beschreibung des sogenannten "Steinmüller-Universums" und einer Publikationsgeschichte am Ende umschlossen.

Die Erzählungen selbst hängen - wenn überhaupt - lediglich lose zusammen. Immer mehrere davon sind einer thematischen Einheit zugeordnet. Jedoch ist der Stil der Autoren unverkennbar und als weitere Gemeinsamkeit aller Geschichten lässt sich die Hauptperson nennen: Kein typischer, makelloser Held, der stets furchtlos und uneigennützig sein Leben für andere aufs Spiel setzt, sondern vielmehr eine von der Denkweise her erstaunlich normale Person. Genau das macht den besonderen Reiz dieser Erzählungen aus, da eine Identifikation mit der Hauptperson auf diese Weise leicht möglich wird: Dass diese sich in einer außergewöhnlichen Situation befindet, sorgt für die nötige Spannung.

Im ersten Teil des Bandes sind eher sozialkritische Werke angesiedelt, so auch die Titelgeschichte "Warmzeit", aus der Sicht einer normalen Familie in Deutschland erzählt. Umweltkatastrophen erschüttern die Welt und zahlreiche Flüchtlinge aus Drittweltländern haben sich niedergelassen. Dabei werden auf so realistische Weise, dass das Lesen beinahe zur Qual wird, die logische Konsequenz zweier dringender, ungelöster Probleme unserer Zeit dargestellt: Zum einen die Zerstörung der Umwelt und deren Auswirkungen, zum anderen die Problematik der Ausbeutung der Drittweltländer und die damit verbundene vermehrte Zuwanderung.

"Der Laplacsche Dämon" und "Vor der Zeitreise" beschäftigen sich beide mit dem Thema Zeitreise, allerdings auf eine eher unkonventionelle Weise, da in beiden Erzählungen der Protagonist nicht wirklich in eine andere Zeit versetzt wird. In "Der Laplacesche Dämon" ist die Reise in die Zukunft lediglich virtuell, allerdings wird sie nach genauen Berechnungen gestaltet, so dass diese höchstwahrscheinlich so eintreten wird, wie sich auch an Ereignissen in der Gegenwart zeigt. "In "Vor der Zeitreise" nimmt eine junge Frau, die ihr Zeitalter der Dekadenz anödet, an einem Training teil, das die Teilnehmer auf eine Reise in die Vergangenheit vorbereiten soll. Schon bald kommen in ihr Zweifel auf, ob so eine Reise technisch überhaupt möglich ist und sie vermutet hinter all dem einen großen Bluff: Groß ist die Überraschung, als sich herausstellt, dass sie ihr Instinkt, dass etwas nicht stimmt, sie nicht getrogen, jedoch etwas völlig anderes als erwartet hinter allem steckt ...
So qualitativ hochwertig diese Geschichten auch sein mögen, so sind die Erzählungen, die sich um den Weltraum und ferne Planeten drehen, wohl wesentlich ansprechender, ohne dass dabei der ernste und nachdenklich stimmende Unterton dabei verloren geht.

So ist "Sauerstoffmangelgeschichte" ein Werk, das mitunter auf fast satirische Weise die Schattenseiten des menschlichen Geistes darstellt: Auf einem gewaltigen Raumschiff kursieren Gerüchte, dass der Sauerstoff bald zur Neige gehen wird. Von der Führung wird das heftig dementiert und viele Crewmitglieder nehmen die Gerüchte belustigt auf. Doch niemand kann sich dem Glauben an den Sauerstoffmangel ganz entziehen und schon bald beginnt ein jeder, Sauerstofflaschen zu hamstern, die Bewohner verschiedener Ebenen verstopfen einander die Belüftungsschlitze. Die Auswirkungen des Mangels sind bald am ganzen Schiff spürbar, doch bis zuletzt bleibt unklar, ob er tatsächlich ursprünglich vorhanden war oder erst durch die Panikreaktion ausgelöst wurde.

"Die Lieder vom Mond" ist wohl die noch am ehesten von einem heiteren Tonfall geprägte Geschichte: Einem Universitätsgelehrten wird eine Studienreise zur Erforschung moderner Musik auf dem Mond finanziert. Er verpasst allerdings den Start und statt sein Missgeschick zu melden, bleibt er einfach zu Hause, schreibt eine Arbeit über teils selbsterdachte Lieder und verwandelt sich später angesichts wissbegieriger Zuhörerschaft in eine Art Münchhausen. Bald schon ist er ein Netz von schillernden Lügen verstrickt und beginnt seine idealisierten Vorstellungen vom Mond schließlich selbst ein bisschen zu glauben ...

"Korallen des Alls" ist ebenfalls eine eher unterhaltende, aber dabei doch niveauvolle Erzählung und mein persönlicher Favorit. Der Protagonist mietet sich ein Raumschiff, um einen im All "gestrandeten" Luxusliner zu finden. Er sieht sich selbst gerne als den strahlenden Helden und vergleicht sich dabei mit "Commander X", Hauptperson einer beliebten Fernsehserie. Dass er von diesem idealisierten Selbstbild natürlich weit entfernt ist, war zu erwarten, aber gerade das macht den Protagonisten für den Leser so sympathisch.

Der vorliegende Band enthält noch viele andere, hervorragende Geschichten, doch stellen die bereits genannten einen repräsentativen Querschnitt dieses Buches dar. Egal, ob man bereits ein Fan der Autoren ist oder sie einem noch unbekannt sind, so ist das Lesen von "Warmzeit" sicherlich lohnenswert - dass es sich dabei um ein Werk in Originalsprache handelt, ist ein weiterer Pluspunkt. Insbesondere den Liebhabern niveauvoller, origineller Science-fiction jenseits der Massenproduktion kann "Warmzeit" wärmstens empfohlen werden.