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Alisha Bionda & Michael Borlik
Wellensang

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Bei „Wellensang“ handelt es sich um eine Anthologie des doch eher kleinen Schreiblust-Verlags. Anders als beim üblichen Programm größerer Verlage wird hier offensichtlich Wert auf die Förderung deutschsprachiger Literatur gelegt. Das ist nicht nur für die Autoren erfreulich, auch dem Leser tut es gut, ein Werk in Originalsprache lesen zu können.

Wellensang - das ist der Name der titelgebenden Geschichte von Linda Budinger. Ein gemeinsames Thema ist nicht zu erkennen, vielmehr werden die verschiedensten Teilbereiche der Fantasy ausgeschöpft.

Da sind relativ klassische Geschichten wie „Dämonenbrut“ von Lutz Schafstädt, in der die Welt von einem Helden vor Alpträumen gerettet werden muss oder Andrea Tillmanns: „Wenn die Eiswölfe singen“, wo eine Hexe durch Trugbilder versucht, ein übermächtiges Heer in die Flucht zu schlagen - um nur zwei Beispiele dafür zu nennen.

Daneben gibt es einige humorvolle Texte, besonders witzig, wenn auch manchmal ein wenig ins Peinliche abgleitend, ist Barbara Büchners: „La Belle et la Bête“, eine in Briefform verfasste Neuinterpretation von „Die Schöne und das Biest“.

Wer es düsterer mag, kommt ebenfalls auf seine Kosten, auch wenn „Die Göttin im Felsendom“ von Irene Salzmann doch nur ein äußerst schwaches Gruseln erzeugt und die Handlung stark an allseits bekannte Hollywood-Streifen erinnert. „Von Zähnen, Sternen und Elfen“ von Arthur Gordon Wolf ist das einzige Werk in dem Buch, das mir persönlich so gar nicht gefallen will, da der Horroreffekt schlicht und einfach zu vorhersehbar ist und sich zudem die Vermutung einer sehr starken Beeinflussung durch US-amerikanische Vorbilder aufdrängt.

Horrorfans werden für die beiden lauen Abstecher jedoch mit Eddie M. Angerhubers: „Zwischen 9 und 9“ voll entschädigt. Die düster-melancholische Grundstimmung nimmt jäh eine unerwartete Wendung und macht den Text zusammen mit dem herrlichen Stil der Autorin zum Höhepunkt des vorliegendes Bandes.

Jede Geschichte wurde auf überaus passende Weise illustriert, da sieht man schon mal drüber hinweg, dass sich ein Fehler in die Seitenangaben des Inhaltsverzeichnisses geschlichen hat. Zwar sind einige Werke ein wenig durchschnittlich, jedoch kommt insgesamt gesehen bei den unterschiedlichen Spielformen der Fantasy keine Unzufriedenheit auf. Zudem hält das Buch am Ende noch einen theoretischen Text bereit, der sich mit den Subgenres der Phantastik beschäftigt. Schon mancher Fan hat schon lange nach so klaren und eindeutigen Definitionen gesucht!