Bei
„Wellensang“ handelt es sich um eine Anthologie des doch eher
kleinen Schreiblust-Verlags. Anders als beim üblichen Programm
größerer Verlage wird hier offensichtlich Wert auf die Förderung
deutschsprachiger Literatur gelegt. Das ist nicht nur für die Autoren
erfreulich, auch dem Leser tut es gut, ein Werk in Originalsprache
lesen zu können.
Wellensang
- das ist der Name der titelgebenden Geschichte von Linda Budinger.
Ein gemeinsames Thema ist nicht zu erkennen, vielmehr werden die
verschiedensten Teilbereiche der Fantasy ausgeschöpft.
Da
sind relativ klassische Geschichten wie „Dämonenbrut“ von Lutz
Schafstädt, in der die Welt von einem Helden vor Alpträumen gerettet
werden muss oder Andrea Tillmanns: „Wenn die Eiswölfe singen“, wo
eine Hexe durch Trugbilder versucht, ein übermächtiges Heer in die
Flucht zu schlagen - um nur zwei Beispiele dafür zu nennen.
Daneben
gibt es einige humorvolle Texte, besonders witzig, wenn auch manchmal
ein wenig ins Peinliche abgleitend, ist Barbara Büchners: „La Belle
et la Bête“, eine in Briefform verfasste Neuinterpretation von „Die
Schöne und das Biest“.
Wer
es düsterer mag, kommt ebenfalls auf seine Kosten, auch wenn „Die
Göttin im Felsendom“ von Irene Salzmann doch nur ein äußerst
schwaches Gruseln erzeugt und die Handlung stark an allseits bekannte
Hollywood-Streifen erinnert. „Von Zähnen, Sternen und Elfen“ von
Arthur Gordon Wolf ist das einzige Werk in dem Buch, das mir
persönlich so gar nicht gefallen will, da der Horroreffekt schlicht
und einfach zu vorhersehbar ist und sich zudem die Vermutung einer
sehr starken Beeinflussung durch US-amerikanische Vorbilder
aufdrängt.
Horrorfans
werden für die beiden lauen Abstecher jedoch mit Eddie M.
Angerhubers: „Zwischen 9 und 9“ voll entschädigt. Die
düster-melancholische Grundstimmung nimmt jäh eine unerwartete
Wendung und macht den Text zusammen mit dem herrlichen Stil der
Autorin zum Höhepunkt des vorliegendes Bandes.
Jede
Geschichte wurde auf überaus passende Weise illustriert, da sieht man
schon mal drüber hinweg, dass sich ein Fehler in die Seitenangaben
des Inhaltsverzeichnisses geschlichen hat. Zwar sind einige Werke ein
wenig durchschnittlich, jedoch kommt insgesamt gesehen bei den
unterschiedlichen Spielformen der Fantasy keine Unzufriedenheit auf.
Zudem hält das Buch am Ende noch einen theoretischen Text bereit, der
sich mit den Subgenres der Phantastik beschäftigt. Schon mancher Fan
hat schon lange nach so klaren und eindeutigen Definitionen gesucht!