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Alexander Kröger
Falsche Brüder

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

"Falsche Brüder" von Alexander Kröger behandelt ein klassisches Science-fiction Thema: Die Invasion durch Außerirdische.
Ungewöhnlich ist jedoch zunächst einmal der Schauplatz: Nicht in eine Metropole der USA, sondern ausgerechnet den Norden Finnlands haben sich die Aliens ausgesucht. Also weit weg vom Normalbürger Deutschlands, woher auch der Ich-Erzähler Igor stammt. Dementsprechend wenig ernst wird die Bedrohung zunächst genommen. Längst herrscht Friede auf Erden, die Menschen wissen nicht so recht, wie sich verteidigen sollen. Provisorische Truppen werden aufgestellt und mit Bewaffnung versehen, die teilweise noch aus dem 2. Weltkrieg stammt und wofür man sogar Museen plündert.
Die Truppen kämpfen gegen Feinde, die wie grüne Kugeln wirken, aber außerordentlich wehrhaft sind. Eher zufällig schießt Igor einen davon ab - das ist das erste Mal, dass die Menschen einen der Außerirdischen näher untersuchen können. Überraschenderweise ist in der Kugel ein kleines Wesen, das sehr stark an einen Engel erinnert - daher auch der ursprüngliche Name des Buches: "Die Engel in den grünen Kugeln", das hier in einer neu überarbeiteten Edition vorliegt.
In weiterer Folge gerät Igor in Gefangenschaft der Außerirdischen, die die Menschen studieren und deren Sprache sie sehr schnell lernen. Die Ziele der Invasoren sind weiterhin ungewiss.
Igor entkommt der Gefangenschaft. Durch diese Erfahrung wird er bald zur Schlüsselfigur in diesem Krieg, da er der einzige ist, der halbwegs Bescheid um die Außerirdischen weiß.
Nachdem unter seinem Kommando ein Angriff erfolgreich abgewehrt wird, beschließt Igor, sich absichtlich in die Gefangenschaft der Außerirdischen zu begeben. Diese lassen Menschen für sich in Gewächshäusern schuften, einige davon werden vorher durch eine abstrusen Apparat ihrer Intelligenz beraubt.
Igor gibt vor, sich mit Bodenkunde auszukennen, da er annimmt, sie könnten einen Fachmann auf dem Gebiet für ihre Bemühungen brauchen. Auf diese Weise will er mit ihnen ins Gespräch kommen. Zwar kann er den grünen Kugeln selten mehr als ein paar kryptische, knappe Aussagen entlocken, aber schon bald weiß er dennoch mehr von deren Plänen.
Aber auch die Außerirdischen sind nicht dumm und kommen bald dahinter, dass Igor seinen Leuten Informationen zukommen lässt. Seine Hinrichtung wird befohlen, aber - wie sich der Leser schon denken kann, da der Ich-Erzähler ja wohl kaum sterben wird, wenn noch gut ein Drittel des Buches vor ihm liegt - kann er wie durch ein Wunder im letzten Augenblick entkommen.
Inzwischen ist Igor schon eine Art Held geworden, aber man kann nach wie vor nicht allzu viel gegen die Invasoren unternehmen. Unterhändler, unter denen sich auch Igor befindet, wird geschickt, aber die Außerirdischen setzen ein deutlichen Zeichen, dass sie nicht zu verhandeln bereit sind, indem sie auf die Gruppe schießen.
Nach und nach jedoch wendet sich das Blatt und die Menschen können langsam Erfolge für sich verbuchen. Plötzlich wollen einige der Außerirdischen verhandeln. Doch auch das gestaltet sich als äußerst schwierig, da die Aliens natürlich auch Forderungen stellen und ihre ganz eigene, undiplomatische Art dabei an den Tag legen.
Vor allem ist aber unklar, ob man ihnen trauen kann. Werden sie das Versprechen, die Erde zu verlassen, tatsächlich einhalten oder wollen sie nur Zeit gewinnen, um wieder aufzurüsten? Am Ende muss Igor handeln wie er es für richtig hält, auch gegen die Befehle seiner Vorgesetzten...
Insgesamt ist "Falscher Brüder" ein recht spannender Roman. Es mag zwar nicht immer unbedingt realistisch sein, wie Igor dem Tod immer wieder aufs Neue von der Schippe springt oder aus Gefangenschaft entkommt, aber solch seltsame Zufälle sind für ein Science-fiction Buch durchaus legitim. Außerdem wirken die Charaktere, die aus Menschen bestehen, wie man sie durchaus im realen Leben treffen könnte, um so glaubwürdiger. Es sind einige charakterstark, entsprechen jedoch niemals platten Heldenschablonen.