Anfangs hat man beim
ersten Band von "Heads"
gar nicht das Gefühl, es
tatsächlich mit Science-Fiction
zu tun zu haben: Die
Handlung beginnt ruhig und auf einer wenig exotischen Kulisse
- an der man überhaupt nicht merkt,
dass wir uns von Anfang an
in der Zukunft befinden - was in dem Fall aber
nicht unbedingt ein Nachteil ist: So bleibt genug Zeit,
die Hauptperson näher kennen zu lernen.
Der schüchterne
Junichi, der sich an seinem Arbeitsplatz direkt schon zu viel gefallen
lässt, ist sicherlich auch nicht der typische Held eines Comics
- und genau das gefällt mir!
Supermänner mit Bärenkräften und hohem IQ gibt es schließlich
schon viel zu viele, aber
einen normalen, aber durchaus nicht
dummen und sympathischen jungen Mann kann ich
viel eher ins Herz schließen als einen perfekten Menschen,
der sehr schnell unglaubwürdig wirkt.
Junichi ist auch ein
Hobbymaler - nicht ganzunbegabt,
aber auch nicht genial und lernt so seine persönliche Traumfrau
Megumi, Mitarbeiterin in einem
Geschäft für Künstlerbedarf, kennen.
An ihr zeigt sich
besonders deutlich, dass es hierbei nicht
nur um keine typische Genreliteratur, sondern auch nicht um einen
klassischen Manga handelt: Alle
Personen haben relativ normale Proportionen, also
keine übertrieben große Augen oder unnatürlichverlängerte Beine.
Natürlich ist das
Glück der beiden von kurzer Dauer: Als
Junichi eine größere Wohnung kaufen will, damit er mit Megumi
zusammenziehen kann, wird das Immobilienbüro von einem bewaffneten
Mannüberfallen. Als ein kleines Mädchen in die Schussbahn zu geraten
droht, greift Junichi beherzt ein.
Er kann das Kind retten, zahlt aber dafür einen hohen
Preis: Eine Kugel trifft ihn genau in den Kopf und
verletzt ihn so schwer, dass sein Leben verwirkt zu
sein scheint.
Dennoch erwacht er
einige Zeit später im Krankenhaus. Anfangs
ist er natürlich verwirrt, aber schon bald überrascht es ihn selbst,
dass er überlebt hat. Zunächst ist er einfach nur froh, dass er nun
seinen Traum von einem
Leben mit Megumi doch noch verwirklichen
kann. Aber schon bald kommt ihm einiges
eigenartig vor: Die Ärzte machen seltsame Andeutungen
und des Nachts verspürt er das unbändige Verlagen
nach Dosenkaffee, obwohl er dieses
Getränk gar nicht mag.
Hier haben die
Übersetzer übrigens etwas zu viel des Guten getan:
Selbstverständlich unterscheiden sich die
Essgewohnheiten von Mitteleuropäern und Japanern
mitunter stark, aber was ein Dosenkaffee ist,
dürfte jeder, der gelegentlich mal in den Supermarkt geht,
doch auch ohne erklärende Fußnote wissen!
Jedenfalls führt der
nächtliche Gang zum Getränkeautomaten zu
einer erschütternden Erkenntnis: Junichi
findet zwei halbe Gehirne, auf dem Behältnis des
einen stehen seine Initialen!
Nun müssen die
Ärzte mit der Wahrheit herausrücken:
Der Schuss hat eine Gehirnhälfte völlig
zerstört und sie haben ihm stattdessen die eines toten
Spenders implantiert. Es ist die erste Gehirntransplantation
an einem erwachsenen Menschen
und somit eine medizinische Sensation.
Das Spenderorgan soll
von einem Mann stammen, der
an einer Herzkrankheit verstorben ist. Nachdem aber
der Verbrecher, der Junichi angeschossen hat, kurze
Zeit später Selbstmord verübt hat, drängt sich da
natürlich ein anderer Verdacht auf: Wir werden in den
Folgebänden sehen, ob ich damit richtig liege.
Trotz des
anfänglichen Schocks ist Junichi letztendlich
doch letztendlich einfach nur froh, überlebt
zu haben und er erholt sich schließlich so gut,
dass er aus dem Krankenhaus entlassen werden kann.
Wenn da nur nicht diese Veränderungen an Junichi
wären! Obwohl sie durchaus nicht alle negativ
sind - so hat sich sein Zeichenstil verbessert und
bei seiner Freundin kommt es gut an, dass er offenbar
mehr Selbstvertrauen erlangt hat, macht er sich
Sorgen ...
Alles in allem kann
ich die Lektüre dieses
Comics nur empfehlen! Es ist eine Geschichte mit
Tiefgang, die nicht mit übermenschlichen Charakteren,
exotischen Schauplätzen und Action punkten
muss, um den Leser in den Bann zu schlagen.