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Keigo Higashino - Motorou Mase
Heads 1

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Anfangs hat man beim ersten Band von "Heads" gar nicht das Gefühl, es tatsächlich mit Science-Fiction zu tun zu haben: Die Handlung beginnt ruhig und auf einer wenig exotischen Kulisse - an der man überhaupt nicht merkt, dass wir uns von Anfang an in der Zukunft befinden - was in dem Fall aber nicht unbedingt ein Nachteil ist: So bleibt genug Zeit, die Hauptperson näher kennen zu lernen.

Der schüchterne Junichi, der sich an seinem Arbeitsplatz direkt schon zu viel gefallen lässt, ist sicherlich auch nicht der typische Held eines Comics - und genau das gefällt mir! Supermänner mit Bärenkräften und hohem IQ gibt es schließlich schon viel zu viele, aber einen normalen, aber durchaus nicht dummen und sympathischen jungen Mann kann ich viel eher ins Herz schließen als einen perfekten Menschen, der sehr schnell unglaubwürdig wirkt.

Junichi ist auch ein Hobbymaler - nicht ganzunbegabt, aber auch nicht genial und lernt so seine persönliche Traumfrau Megumi, Mitarbeiterin in einem Geschäft für Künstlerbedarf, kennen.

An ihr zeigt sich besonders deutlich, dass es hierbei nicht nur um keine typische Genreliteratur, sondern auch nicht um einen klassischen Manga handelt: Alle Personen haben relativ normale Proportionen, also keine übertrieben große Augen oder unnatürlichverlängerte Beine.

Natürlich ist das Glück der beiden von kurzer Dauer: Als Junichi eine größere Wohnung kaufen will, damit er mit Megumi zusammenziehen kann, wird das Immobilienbüro von einem bewaffneten Mannüberfallen. Als ein kleines Mädchen in die Schussbahn zu geraten droht, greift Junichi beherzt ein. Er kann das Kind retten, zahlt aber dafür einen hohen Preis: Eine Kugel trifft ihn genau in den Kopf und verletzt ihn so schwer, dass sein Leben verwirkt zu sein scheint.

Dennoch erwacht er einige Zeit später im Krankenhaus. Anfangs ist er natürlich verwirrt, aber schon bald überrascht es ihn selbst, dass er überlebt hat. Zunächst ist er einfach nur froh, dass er nun seinen Traum von einem Leben mit Megumi doch noch verwirklichen kann. Aber schon bald kommt ihm einiges eigenartig vor: Die Ärzte machen seltsame Andeutungen und des Nachts verspürt er das unbändige Verlagen nach Dosenkaffee, obwohl er dieses Getränk gar nicht mag.

Hier haben die Übersetzer übrigens etwas zu viel des Guten getan: Selbstverständlich unterscheiden sich die Essgewohnheiten von Mitteleuropäern und Japanern mitunter stark, aber was ein Dosenkaffee ist, dürfte jeder, der gelegentlich mal in den Supermarkt geht, doch auch ohne erklärende Fußnote wissen!

Jedenfalls führt der nächtliche Gang zum Getränkeautomaten zu einer erschütternden Erkenntnis: Junichi findet zwei halbe Gehirne, auf dem Behältnis des einen stehen seine Initialen!

Nun müssen die Ärzte mit der Wahrheit herausrücken: Der Schuss hat eine Gehirnhälfte völlig zerstört und sie haben ihm stattdessen die eines toten Spenders implantiert. Es ist die erste Gehirntransplantation an einem erwachsenen Menschen und somit eine medizinische Sensation.

Das Spenderorgan soll von einem Mann stammen, der an einer Herzkrankheit verstorben ist. Nachdem aber der Verbrecher, der Junichi angeschossen hat, kurze Zeit später Selbstmord verübt hat, drängt sich da natürlich ein anderer Verdacht auf: Wir werden in den Folgebänden sehen, ob ich damit richtig liege.

Trotz des anfänglichen Schocks ist Junichi letztendlich doch letztendlich einfach nur froh, überlebt zu haben und er erholt sich schließlich so gut, dass er aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Wenn da nur nicht diese Veränderungen an Junichi wären! Obwohl sie durchaus nicht alle negativ sind - so hat sich sein Zeichenstil verbessert und bei seiner Freundin kommt es gut an, dass er offenbar mehr Selbstvertrauen erlangt hat, macht er sich Sorgen ...

Alles in allem kann ich die Lektüre dieses Comics nur empfehlen! Es ist eine Geschichte mit Tiefgang, die nicht mit übermenschlichen Charakteren, exotischen Schauplätzen und Action punkten muss, um den Leser in den Bann zu schlagen.