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Diane L. Paxson
Die Herrin vom See

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Bei „Die Herrin vom See“ handelt es sich wieder einmal eine Bearbeitung der berühmten Artussage. Im Zentrum des Romans steht der Machtkampf um Britannien, das immer noch stark von der langen Herrschaft der Römer geprägt ist. Eine Vielzahl befehdeter Stämme bleibt übrig, den einfallenden Germanen haben sie nur wenig entgegenzusetzen.
Zunächst schienen die Hauptpersonen die beiden Kusinen Madrun und Argante zu sein. Argante ist die erste Herrin vom See, ein Motiv, das sich weiter durch die Geschichte zieht und gleichzeitig auch die Mutter von Igraine, die aus dem Mythos bekannt sein dürfte und auf die das Amt auch vererbt wird.
Madrun muss nach einem Angriff der feindlichen Skoten in den Wald fliehen, wo sie längere Zeit mit einem „Wilden Mann“ zusammen ist. Aus dieser Verbindung geht ein Sohn hervor - Ambros. Dieser ist fortan die Hauptperson des Buches, die anderen Charaktere treten sehr schnell in den Hintergrund. Erst spät stellt sich heraus, dass der seltsame junge Mann, der mitunter Visionen hat, sich zum berühmten Merlin entwickeln wird. Dieser erlebt einige Abenteuer, dient einige Zeit Vitalus, dem vorübergehenden König Britanniens, als Berater, erlebt eine Verhandlung mit zeitweise verbündeten Germanen mit, die mit Verrat und Mord endet und lebt dann lange Zeit wie einst sein Vater als Wilder in den Wäldern. Erst nach langem trifft er auf Uther und wird dessen Berater. Er hilft ihm dann auch, in fremder Gestalt die Gunst Igraines zu erringen, die er später heiratet und mit der er einen gemeinsamen Sohn hat - Artor. Dieser wird von Merlin  zu einer Pflegefamilie gebracht. Viele Jahre später stirbt Uther, der Britannien kurzfristig zu einen vermochte und die Geschichte nimmt ihren bekannten Verlauf...

Schon auf den ersten Blick fällt die Ähnlichkeit dieses Buches mit Marion Zimmer Bradleys „Die Nebel von Avalon“ auf. Allerdings reicht „Die Herrin vom See“ sicher nicht an den weitaus bekannteren Bestseller heran.
Zwar ist die Geschichte gut recherchiert, wie auch der ausgedehnte, erklärende Anhang, der aus geschichtlichen Hintergrundinfos, Stammbäumen der Charaktere und einer Karte besteht, beweist, allerdings ist die Geschichte in sich selbst nicht stimmig. Abgesehen davon, dass die Handlung doch recht konfus und schwer überschaubar ist, hinterlassen vor allem die Charaktere keinen überzeugenden Eindruck. Mir erscheint es logisch, dass die Frauen dieser Zeit sicher eine andere Erziehung genossen haben als die Mädchen heute, allerdings denken und sprechen sie erstaunlich emanzipiert. Andererseits wiederum handeln sie überhaupt nicht danach und lassen sich so gut wie alles gefallen. Vor allem scheint sich die Autorin nicht so recht entscheiden zu können, wer nun ihre Hauptperson ist. Alles in allem gab es sicher schon bessere Bearbeitungen des bekannten Mythos.