Bei „Die Herrin vom See“
handelt es sich wieder einmal eine Bearbeitung der berühmten
Artussage. Im Zentrum des Romans steht der Machtkampf um Britannien,
das immer noch stark von der langen Herrschaft der Römer geprägt
ist. Eine Vielzahl befehdeter Stämme bleibt übrig, den einfallenden
Germanen haben sie nur wenig entgegenzusetzen.
Zunächst schienen die Hauptpersonen die beiden Kusinen Madrun und
Argante zu sein. Argante ist die erste Herrin vom See, ein Motiv, das
sich weiter durch die Geschichte zieht und gleichzeitig auch die
Mutter von Igraine, die aus dem Mythos bekannt sein dürfte und auf
die das Amt auch vererbt wird.
Madrun muss nach einem Angriff der feindlichen Skoten in den Wald
fliehen, wo sie längere Zeit mit einem „Wilden Mann“ zusammen
ist. Aus dieser Verbindung geht ein Sohn hervor - Ambros. Dieser ist
fortan die Hauptperson des Buches, die anderen Charaktere treten sehr
schnell in den Hintergrund. Erst spät stellt sich heraus, dass der
seltsame junge Mann, der mitunter Visionen hat, sich zum berühmten
Merlin entwickeln wird. Dieser erlebt einige Abenteuer, dient einige
Zeit Vitalus, dem vorübergehenden König Britanniens, als Berater,
erlebt eine Verhandlung mit zeitweise verbündeten Germanen mit, die
mit Verrat und Mord endet und lebt dann lange Zeit wie einst sein
Vater als Wilder in den Wäldern. Erst nach langem trifft er auf Uther
und wird dessen Berater. Er hilft ihm dann auch, in fremder Gestalt
die Gunst Igraines zu erringen, die er später heiratet und mit der er
einen gemeinsamen Sohn hat - Artor. Dieser wird von Merlin zu
einer Pflegefamilie gebracht. Viele Jahre später stirbt Uther, der
Britannien kurzfristig zu einen vermochte und die Geschichte nimmt
ihren bekannten Verlauf...
Schon auf den ersten Blick fällt
die Ähnlichkeit dieses Buches mit Marion Zimmer Bradleys „Die Nebel
von Avalon“ auf. Allerdings reicht „Die Herrin vom See“ sicher
nicht an den weitaus bekannteren Bestseller heran.
Zwar ist die Geschichte gut recherchiert, wie auch der ausgedehnte,
erklärende Anhang, der aus geschichtlichen Hintergrundinfos, Stammbäumen
der Charaktere und einer Karte besteht, beweist, allerdings ist die
Geschichte in sich selbst nicht stimmig. Abgesehen davon, dass die
Handlung doch recht konfus und schwer überschaubar ist, hinterlassen
vor allem die Charaktere keinen überzeugenden Eindruck. Mir erscheint
es logisch, dass die Frauen dieser Zeit sicher eine andere Erziehung
genossen haben als die Mädchen heute, allerdings denken und sprechen
sie erstaunlich emanzipiert. Andererseits wiederum handeln sie überhaupt
nicht danach und lassen sich so gut wie alles gefallen. Vor allem
scheint sich die Autorin nicht so recht entscheiden zu können, wer
nun ihre Hauptperson ist. Alles in allem gab es sicher schon bessere
Bearbeitungen des bekannten Mythos.