Startseite

Veröffentlichungen

Vorschau

News

Leseproben

Hörproben

Bildergalerie

Presse und mehr

Rezensionen

Links

Kontakt

Lesungen

Blog

Gästebuch

Michael Marrak
Imagon

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Laut einer bekannten Redensart sollte ein Buch niemals nach dem Umschlag bewertet werden, im Fall des Romans „Imagon“ jedoch werden die hohen Erwartungen, die das Äußere des Buches weckt, durchaus erfüllt. Das schwarze Hardcover mit Goldprägung, inkludiertem Stofflesezeichen und Schutzumschlag, der ein recht ästhetisches, dennoch modernes und vom Autor selbst gestaltetes Titelbild trägt, zeugt von einer Qualität, die die überall vorherrschenden Taschenbücher so schmerzlich vermissen lassen.
All das ist jedoch nur ein Vorgeschmack auf den Inhalt des Buches, der sich spannend, jedoch, vor allem was die zwanglos eingebauten wissenschaftlichen Arbeitsmethoden betrifft, sorgfältig recherchiert und niemals niveaulos präsentiert.
Hauptperson des Romans ist der Geophysiker Poul Silis, in dessen Gefühlswelt der Autor durch die Wahl der Erzählweise - nämlich der Ich-Form - tiefe und überzeugende Einblicke gewährt. Über das Internet hat dieser eine junge Frau - Nauna - kennengelernt, die ihn augenblicklich in ihren Bann schlägt. Von Anfang an macht sie seltsame Andeutungen, was Pouls Zukunft anbelangt, beispielsweise prophezeit sie ihm, dass sie sich eines Tages in Grönland treffen würden - was dieser natürlich für ausgeschlossen hält, da er eine richtiggehende Phobie gegen Schnee und Kälte hat. Nur einen Tag nachdem er Nauna in real getroffen hat, stirbt diese.
Dann erreicht Poul die Nachricht, dass ein gewaltiger Meteorit in Grönland eingeschlagen hat - und das Universitätsinstitut, bei dem er angestellt ist, schickt ausgerechnet ihn dorthin!
Auf der dortigen Forschungsstation merkt Poul, dass irgendetwas nicht stimmt. Vom angeblichen Meteoriten kann er selbst mit den ausgeklügelsten physikalischen Messverfahren keine Spur entdecken, statt dessen ragen die Reste einer uralten Tempelstadt aus dem Eis. Erstaunlich viele Mitglieder der Forschungsgruppe sind vorzeitig abgereist, einer seiner Kollegen lässt ihm gegenüber eine kryptische Äußerung nach der anderen fallen und da sind auch noch äußerst beunruhigende Träume über uralte, außerirdische Wesen, die noch vor den Menschen die Erde beherrschten und die Poul offensichtlich als zentrale Figur ihrer undurchschaubaren Pläne ausgewählt haben. Die folgenden Ereignisse führen schließlich dazu, dass er sich Jahrtausende in die Vergangenheit zurückversetzte findet - und dort Nauna wiedertrifft! Das alles kann kein Zufall sein - aber bis zum Schluss bleibt unklar, was eigentlich dahintersteckt...
Bei „Imagon“ handelt es sich um einen von H.P.Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ inspirierten Roman, allerdings ohne ein bloßer Abklatsch zu sein. Der Autor hat ganz bewusst darauf verzichtet, die Neuerungen der Technik, die es seit Lovecraft gegeben hat, zu ignorieren, allerdings sind diese unaufdringlich in die Geschichte eingewoben und wirken niemals störend. Die Grundstimmung von Kälte, Verzweiflung und Machtlosigkeit des Protagonisten angesichts eines undurchschaubaren, kosmischen Plans ist jedoch sowohl bei Marrak als auch bei seinem großen Vorbild die gleiche und genau das ist das Wesen des Mythos, das diesen so lange am Leben erhalten hat...