Bei den vorliegenden, in der
Masse der Kleinverlagspublikationen nahezu untergehenden Anthologie
ist es vor allem der Titel, der Interesse zu erwecken vermag. Bei
diesem Spruch habe ich immer Bekannte meiner Eltern vor Augen, die
sich, ein lockeres „Man gönnt sich ja sonst nichts“ auf den
Lippen, ans Gratisbuffet drängeln und dort die Teller ordentlich
volladen. Das erweckt natürlich Erwartungen – immerhin ist die
Sciencefiction das Genre, das allzu menschliche Schwächen mit
besonderem Geschick zu entlarven vermag.
Leider ist gerade die Titelgeschichte von Achim Hildebrand ein Text,
der mich kaum zu überzeugen vermag – zu angestaubt wirkt der
erhobene Zeigefinger in der modernen Sciencefiction. Doch dem Autor
ist es in diesem Band noch weitere drei Mal vergönnt, sein Können
unter Beweis zu stellen: gerade in der Geschichte „Tausend Banner im
Sand“ kann er seinen Wortwitz spielen lassen.
Neben dem Titel ist es jedoch vor allem das Titelbild, das sehr
ansprechend ist. Zum einen passt es farblich hervorragend zu dem
vorgegebenen grünen Rahmen der Leselupenreihe, zum anderen ist das
Bild einfach nur süß. Es zeigt passend zum Thema einen Außerirdischen
– doch entgegen der Klischeevorstellung nicht auf einem Raumschiff
vor einem Sternenhimmel, sondern gemütlich in einem Liegestuhl auf
einem extraterrestrischen Strand sitzend und in einem Buch schmökernd.
Da man diesen von hinten sieht und praktisch nur an den vorgestreckten
Tentakeln erkennt, bleibt viel Spielraum für die Fantasie.
Die Künstlerin – Susanne Jaja – hat aber nicht nur mit Bildern
ein Geschick: ihre beiden Geschichten beweisen, dass die Frau
beneidenswerterweise zudem auch noch schreiben kann. In ihrer
Geschichte „Vielen Dank für die Blumen“ geht es um ein paar
Schauspieler, die nervös einem intergalaktischen Theaterfestival
entgegenfiebern. Dabei darf einfach nichts schief gehen – und tatsächlich
läuft die Vorstellung zunächst glatt über die Bühne, bis die
Menschen einen entsetzlichen Fauxpas begehen...
Tatsächlich sind es vielfach Missverständnisse, die in diesem Buch
das Zusammentreffen zwischen Menschen und Außerirdischen prägen. So
auch die Geschichte „Kartoffelernte“ von Herausgeberin Jon, wo der
Protagonist Erdäpfel für Weganer anbauen soll – doch diese hatten
sich das anders vorgestellt! Ebenso problematisch läuft es in Michael
Schmidts Geschichte „Geliebte Maid“ ab, worin dem Leser intime
Einblicke in zwischen“humanoide“ Beziehungen ermöglicht werden.
Dass diese Form der Sexualität nicht ohne Komplikationen ablaufen
kann, versteht sich dabei fast von selbst.
Aber auch rein menschlicher Beischlaf kann in der Zukunft mit
unerwarteten Schwierigkeiten aufwarten, wie das in Ralf Steinbergs
„Vater werden ist nicht schwer“ so anschaulich beschrieben wird.
Meine Lieblingsgeschichte in diesem Band dreht sich allerdings überraschenderweise
nicht um Außerirdische. Vielmehr scheint es ein anderes klassisches
Sciencefiction Thema zu sein – nämlich das der Künstlichen
Intelligenz – das es auch Volker Hagelstein angetan hat. In „Der
Defekt“ stellt er die Technik der Zukunft vor – Küchengeräte!
Ja, tatsächlich. Aber natürlich keine, wie wir sie kennen, sondern
sprechende Kühlschränke und Kaffeemaschinen, die zudem auch noch über
nur allzu menschliche Eigenschaften verfügen... Insgesamt sind es ja
ganze siebenzwanzig Geschichten, die in diesem Buch vertreten sind –
zu viele, um auf jede einzeln einzugehen. Es ist natürlich klar, dass
eine Geschichte mal mehr, eine andere weniger gefällt – aber bei so
vielen Texten kann der Leser ja auch getrost mal ein weniger
reizvolles Werk überblättern: es bleibt trotzdem noch genug lohendes
Material übrig.
Insgesamt gesehen ist es eine recht liebevoll gemachtes Werk, das
neuen Autoren eine Chance gibt – oder sind sie vielleicht gar nicht
mehr so unbekannt? Wer sich in der deutschsprachigen Sciencefiction
Szene ein wenig auskennt, wird nämlich feststellen, dass man diesen
hoffnungsvollen Schriftstellern erstaunlich oft begegnen kann – ob
nun mit weiteren Anthologiebeiträgen, als Herausgeber oder auch als
Romanschreiber...