Bei dem vorliegenden
Buch "Das magische Reich” handelt es sich um eine weiter
Fortsetzung des Enwor-Zyklus, der von Wolfgang Hohlbein verfasst
wurde. Dieser Band jedoch stammt aus der Feder von Dieter Winkler, der
diese Welt einst mit dem großen Meister der Fantasy entwickelt hat.
Nach bekannten
Gestalten sucht der Leser jedoch vergeblich - im Mittelpunkt des
Buches steht der junge Daart, ein bislang völlig unbekannter
Charakter. Das finde ich höchst bedauerlich, schließlich hatte Skar,
die Hauptperson aller übrigen Bände, eine junge und sehr
sympathische Tochter, die sich als neue Identifikationsfigur förmlich
aufgedrängt hat.
Stattdessen wird die Handlung weiterhin aus männlicher Sichtweise erzählt.
Der junge Daart scheint mir eine schlecht getroffene Kopie Skars zu
sein - er ist ein Krieger derselben Organisation, er spricht
gelegentlich mit einer Art zweiter Persönlichkeit, die in seinem
Inneren wohnt, aber er ihm fehlt einfach die kompromisslose, harte Art
seines Vorgängers und auch von dem unglaublichen Sarkasmus, der mich
immer wieder schmunzeln ließ, ist nichts geblieben. Alles, was übrig
ist, ist eine facettenlose Persönlichkeit und damit kommt der junge
Daart noch weitaus besser weg, als die übrigen Akteure, die einen
bestenfalls schemenhaften Eindruck hinterlassen.
Der Beginn des
Buches stellt sich keinesfalls als atypisch für einen Fantasyroman
dar: Daart ist in seiner Funktion als Satai-Sjen, was so eine Art
Krieger in Ausbildung zu sein scheint, zusammen mit seiner Kollegin
Carnac und einem gnomenhaften, ortskundigen Führer in einer Art
Geheimauftrag unterwegs. In chaotischen Zeiten, in denen das Reich
Enwor in Gefahr ist, unterzugehen, sollen die beiden die
geheimnisumwitterte Essenz des Lebens besorgen.
Sie verirren sich in einem Schneesturm, stürzen dann ab und Carnac
geht verloren, während Daart sich in einem Dschungel wiederfindet.
Dort begegnet er dann der Prophetin Irana, die sein Schicksal zu
kennen scheint.
So weit, so gut. Aber ab hier wird die Handlung nur noch konfus.
Nubina, ein weiblicher Bösewicht, taucht auf und mit ihr eine
Schreckensgestalt aus Daarts Vergangenheit, Zar´toran. Dieser wollte
einst Daart als Menschenopfer darbringen, hat dabei zwar versagt, aber
Daarts bester Freund kam auf eben diese Weise ums Leben. Dieser taucht
plötzlich als missgestalteter Zombie auf. Durch Psychotricks ziehen
Nubina und Zar´Toran Daart für einige Zeit auf ihre Seite.
Irana und ihre Verbündeten haben wiederum völlig andere Pläne mit
Daart und zwar muss er verhindern, daß Nubina an die Essenz des
Lebens kommt.
Als sich dann noch herausstellt, das verschiedene Menschen ein und
dieselbe Person sind, dann aber doch alles Täuschung war und wieder
andere Gestalten unterschiedlichen Namens zusammengehören, ist man
als Leser endgültig verloren.
Es scheint so, als versuche Dieter Winkler ein für Hohlbein typisches
Stilmittel mit Gewalt an die Spitze zu treiben, mit einem
unerfreulichen Resultat:
Die Hauptperson ist verwirrt, der Leser ratlos und es drängt sich der
Verdacht auf, dass auch der Autor längst den Überblick über seine
eigenen geistigen Ergüsse verloren hat.
Zwar ist der Roman her als pures, wenig geistreiches Abenteuer
durchaus "genießbar”, allerdings wäre nochmaliges Überarbeiten
vor der Veröffentlichung und Beseitigung einiger Unklarheiten durch
Streichung allzu verwirrender Szenen sicher kein Fehler gewesen