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Michael Marrak
Morphogenesis

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Mit einem Umfang von annähernd achthundert Seiten sieht „Morphogenesis“ nicht wie ein Buch aus, das man so schnell mal nebenbei liest. Doch die Handlung ist derartig spannend, dass sich der Leser, der sich eigentlich nur mal ein Kapitel zu Gemüte führen wollte, unversehens hundert Seiten später wiederfindet.

Der Anfang präsentiert sich geradezu klassisch: Die Hauptperson, ein Archäologe, findet in der lybischen Wüste eine sechsseitige Pyramide. Die Forscher dringen in das Bauwerk ein und setzen eine Reihe von Ereignissen in Gang, wobei es auch zu einem unerklärlichen Todesfall kommt.
So weit kommt einem die Handlung noch von diversen anderen Machwerken relativ bekannt vor. Als Leser scheint es zu dem Zeitpunkt absolut unerklärlich, warum „Morphogenesis“ nun als Sciencefiction verkauft wird. Tatsächlich gibt es später immer wieder mal leichte Anklänge in diese Genrerichtung, die meisten gegen Ende hin – dennoch wäre das Buch wohl im Fantasyregal besser aufgehoben.

Unbestritten jedoch ist die interessante Charakterwahl Marraks: Die Hauptperson mit dem ungewöhnlichen, aber passenden Namen Hippolyt Krispin ist zwar ein gebildeter Mann, aber weit vom Superheldenimage entfernt. So ist er weder besonders mutig, noch gutaussehend und scheint auch ein ernsthaftes Alkoholproblem zu haben. Ein anderer Charakter fasst seine Eigenschaften so treffend zusammen, dass ich mir ein Schmunzeln nicht vergreifen konnte: Er beschreibt Krispin als „... schmächtig, brünett, dank heilloser Selbstgefälligkeit wieder einmal unbeweibt. Ferner akrophobisch geprägt, latent schizoid, hypochondrisch veranlagt, zu Cholerik und Paranoia neigend...“

Eine geheimnisvolle Frau taucht auf und bringt Krispin dazu, eine Reise zu unternehmen. Doch was als Taxifahrt beginnt, endet im ägyptischen Totenreich! Doch dieser Ort ist noch so viel mehr: Er schient die Höllen sämtlicher Kulturen in sich zu vereinen. Hippolyt kämpft sich vorbei an in Alkohol kochenden Gestalten, ladet selbst in einem Pechsee zusammen mit sexbesessenen Sündern, soll von Maschinen bewachst jahrelang ständig im Kreis laufen, trifft später auf Golems, Riesenspinnen und allerhand andere Ungetüme und gewinnt auch mit der Zeit Verbündete. Lange muss er umherirren, stets von Maschinenmonstern gejagt...

Marrak verarbeitet viele Mythen auf recht eigenwillige Weise, schwankt zwischen Tiefsinnigkeit und Sarkasmus. Splattereffekte beim regelmäßigen Ableben der sich doch immer wieder regenerierenden Hauptperson und eine rasante Erzählweise werden von Insiderwissen, das offensichtlich auf sorgfältiger Recherche beruht, abgelöst. Gerade dieser interessante Mix lässt keine Langeweile aufkommen und macht aus dem voluminösen Werk spannende Genrelektüre, die aber auch ein hohes Niveau nicht vermissen lässt.