Zwar ist die phantastische
Verarbeitung des Nibelungenepos keine Neuheit, ungewöhnlich ist
jedoch, dass die eigentliche Handlung des bekannten Sagenstoffes nur
am Rande gestreift wird.
Vorweg zu schicken ist außerdem, dass es sich hierbei um einen
Sammelband, der vier teilweise nur lose zusammenhängende Romane enthält,
handelt. Deshalb sie bei jedem der Teile, die man im Grunde genommen
auch getrennt rezensieren könnte, kurz auf den Inhalt eingegangen:
Der erste Teil beschäftigt sich mit dem jungen Hagen von Tronje, der
vorübergehend völlig erblindet auf einem Schlachtfeld erwacht.
Vollkommen hilflos bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Hilfe
einer jungen Fremden anzunehmen, der er erzählt, wie er als Kind
gefundenes Rheingold an sich nahm, ohne zu wissen, dass ihn der
Besitzer, der sagenumwobenen Siebenschläfer, mit einem Fluch belegen
würde. Der Fluch bringt Leid über alle die, die Hagen nahe stehen,
seine Familie und auch seine erste große Liebe fallen dem Fluch zum
Opfer. Auch die Fremde schleppt ein düsteres Geheimnis mit sich...
Im Mittelpunkt des zweiten Teils steht eine bunt zusammengewürfelte
Gruppe, bekanntester der Runde der Zwerg Alberich, dem gerade seine
Tarnkappe von Siegfried geraubt wurde- um weiterhin den Hort beschützen
zu können, macht er sich auf eine abenteuerliche Reise zu dem Kadaver
des getöteten Drachens, um im unverwundbar machenden Blut zu baden...
Die gleiche Konstellation an Hauptcharakteren findet man auch in der
Rahmenhandlung des nächsten Teils wieder. Der Nibelungenhort ist
bedroht und Alberich erinnert sich aus diesem Anlass heraus an eine
alte Legende des Zwergenvolkes...
Im letzten Teil steht dann Kriemhild im Mittelpunkt, sie glaubt, das
Burgunderreich vor der Pest retten zu können, indem sie eine berüchtigte
Hexe aufsucht, wobei sie ihre Reise mitten durch das verseuchte Gebiet
führt. Unterwegs lernt sie den fahrenden Sänger Jakobus kennen, der
behauptet, von den Göttern selbst verfolgt zu sein...
Die Bewertung dieses Buches fällt außerordentlich schwer, da es sich
ja um vier eigenständige Werke handelt. Zusammengehalten werden sie
vor allem durch die in jedem Teil wiederkehrende und unglaublich
charismatische Gestalt des Hagen von Tronje, dessen düstere und
geheimnisvolle Erscheinung umso mehr wirkt, da der Leser im ersten
Teil seine Kindheit, seine Beweggründe und auch seine menschliche
Seite kennengelernt hat. Die Bedeutung des titelgebenden
Nibelungengoldes leuchtet -abgesehen davon, dass der Name des Buches
in dem Zusammenhang ziemlich nach 0-8-15 riecht- nicht ganz ein, wenn
man bedenkt, dass im letzten Teil Gold nicht einmal erwähnt wird.
Auch ansonsten ist der 4. Roman in diesem Sammelband eher unnötig,
Kriemhild als Abenteurerin darzustellen, die gegen Ende ihrer Reise
mitten im Burgunderreich ausgerechnet auf den Hunnenkönig Etzel stößt,
liefert ein doch nicht ganz stimmiges Bild. Ohne den letzten Teil hätte
das Werk sicher die volle Punktezahl verdient. Die Charaktere sind
originell, zwar auf ihre Weise Helden, jedoch keine dieser farblosen
Moralisten, sondern Gestalten, die durch weitaus vielfältigere
Beweggründe als reinen Nächstenliebe angetrieben werden und die
durch dieses Menschlichkeit umso sympathischer wirken.
Ich sehe es auch positiv, dass keine Nacherzählung des bekannten
Stoffes vorgenommen wurde, sodass dem Autor genügend Freiraum bleibt,
eine weitgehend eigenständige Geschichte zu erzählen- deren Spannung
auf immerhin über 770 Seiten kein einziges Mal nachlässt.