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Katherine Kurtz
Sankt Camber

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Bei diesem Fantasyroman sollte zuallererst erwähnt werden, dass es sich hierbei um den zweiten Band eines Zykluses handelt. Dennoch ist der Roman erfreulicherweise so in sich geschlossen, dass man auch ohne den ersten Band (Camber von Culdi) zu kennen, nicht allzu sehr in Verwirrung gerät.
Die Hauptperson des Buches, Camber, hatte einst dem König zu seiner rechtmäßigen Herrschaft verholfen. Aber nun bietet die Schwester des früheren Königs ihre ganzen Kräfte und ein großes Heer auf, um den Thron zu erobern. In einer gewaltigen Schlacht gelingt es zwar, sie zu besiegen, die Verluste sind aber groß. So stirbt auch der Generalvikar Cullen im Zweikampf gegen die Bösewichtin höchstpersönlich. Als Camber den Leichnam auf dem Schlachtfeld findet, trifft er einen folgenschweren Entschluss: Da seine Macht trotz seiner großen Verdienste am Schwinden begriffen ist, täuscht er seinen eigenen Tod vor und übernimmt Cullens Identität. Dabei bedient er sich seiner magischen Fähigkeiten, die ihm nicht nur die Gestaltwandlung ermöglichen, sondern mit deren Hilfe er sich auch die Erinnerungen des kürzlich Verstorbenen aneignen kann. Seine Tarnung ist somit perfekt, nur seinen Kindern und seinem Schwiegersohn vertraut er das Geheimnis an. Auf diese Weise gewinnt er nicht nur an Macht - so wird er zu einem bedeutenden Bischof geweiht - sondern kann vor allem den König, der immer sein möglichstes getan hat, um sich von Camber zu distanzieren, beeinflussen. Und das ist auch dringend nötig, da dieser sein Amt nur widerwillig erfüllt. Womit aber keiner rechnen konnte ist, dass sich über Camber, der sein wahres Gesicht nur zwei Mal gezeigt hat- ein Mal versehentlich, ein Mal um einen übermäßig um ihn trauernden Gefolgsmann zu trösten - schon bald Gerüchte verbreiten und bald sogar seine Heiligsprechung gefordert wird. Zwar hat dieser immer wieder einen Anflug von schlechtem Gewissen wegen seines Betrugs, aber er weiß, dass er ihn zum Wohle des Reiches, das ihm wichtiger ist als alles andere auf der Welt, aufrecht erhalten muss...
In diesem Roman wird eine Gesellschaft, wie sie im Mittelalter vorgelegen haben könnte (das einzige phantastische Element ist die bisweilen etwas überstrapazierte Magie) sehr detailliert beschrieben. Bei den Kämpfen wurde darauf verzichtet, zwanghaft moderne Elemente einzubauen, wodurch diese sehr glaubwürdig wirken. Man merkt sehr deutlich, dass die Autorin genau weiß, wovon sie schreibt und ein Blick auf ihre Biographie bestätigt das auch: Katherine Kurtz studierte englische Geschichte des Mittelalters.
Die sprachliche Darstellung ist überraschend altmodisch und beschränkt sich nicht nur auf die wörtlichen Reden, sondern erstreckt sich auf das gesamte Werk. Eine derartige Konsequenz sollte zwar begrüßt werden, aber die geschwollenen Sprache, verbunden mit akribisch genauen Schilderungen von diversen Zeremonien, macht das Lesen doch recht anstrengend und ermüdend.