Bei diesem Fantasyroman
sollte zuallererst erwähnt werden, dass es sich hierbei um den
zweiten Band eines Zykluses handelt. Dennoch ist der Roman
erfreulicherweise so in sich geschlossen, dass man auch ohne den
ersten Band (Camber von Culdi) zu kennen, nicht allzu sehr in
Verwirrung gerät.
Die Hauptperson des Buches, Camber, hatte einst dem König zu seiner
rechtmäßigen Herrschaft verholfen. Aber nun bietet die Schwester des
früheren Königs ihre ganzen Kräfte und ein großes Heer auf, um den
Thron zu erobern. In einer gewaltigen Schlacht gelingt es zwar, sie zu
besiegen, die Verluste sind aber groß. So stirbt auch der
Generalvikar Cullen im Zweikampf gegen die Bösewichtin höchstpersönlich.
Als Camber den Leichnam auf dem Schlachtfeld findet, trifft er einen
folgenschweren Entschluss: Da seine Macht trotz seiner großen
Verdienste am Schwinden begriffen ist, täuscht er seinen eigenen Tod
vor und übernimmt Cullens Identität. Dabei bedient er sich seiner
magischen Fähigkeiten, die ihm nicht nur die Gestaltwandlung ermöglichen,
sondern mit deren Hilfe er sich auch die Erinnerungen des kürzlich
Verstorbenen aneignen kann. Seine Tarnung ist somit perfekt, nur
seinen Kindern und seinem Schwiegersohn vertraut er das Geheimnis an.
Auf diese Weise gewinnt er nicht nur an Macht - so wird er zu einem
bedeutenden Bischof geweiht - sondern kann vor allem den König, der
immer sein möglichstes getan hat, um sich von Camber zu distanzieren,
beeinflussen. Und das ist auch dringend nötig, da dieser sein Amt nur
widerwillig erfüllt. Womit aber keiner rechnen konnte ist, dass sich
über Camber, der sein wahres Gesicht nur zwei Mal gezeigt hat- ein
Mal versehentlich, ein Mal um einen übermäßig um ihn trauernden
Gefolgsmann zu trösten - schon bald Gerüchte verbreiten und bald
sogar seine Heiligsprechung gefordert wird. Zwar hat dieser immer
wieder einen Anflug von schlechtem Gewissen wegen seines Betrugs, aber
er weiß, dass er ihn zum Wohle des Reiches, das ihm wichtiger ist als
alles andere auf der Welt, aufrecht erhalten muss...
In diesem Roman wird eine Gesellschaft, wie sie im Mittelalter
vorgelegen haben könnte (das einzige phantastische Element ist die
bisweilen etwas überstrapazierte Magie) sehr detailliert beschrieben.
Bei den Kämpfen wurde darauf verzichtet, zwanghaft moderne Elemente
einzubauen, wodurch diese sehr glaubwürdig wirken. Man merkt sehr
deutlich, dass die Autorin genau weiß, wovon sie schreibt und ein
Blick auf ihre Biographie bestätigt das auch: Katherine Kurtz
studierte englische Geschichte des Mittelalters.
Die sprachliche Darstellung ist überraschend altmodisch und beschränkt
sich nicht nur auf die wörtlichen Reden, sondern erstreckt sich auf
das gesamte Werk. Eine derartige Konsequenz sollte zwar begrüßt
werden, aber die geschwollenen Sprache, verbunden mit akribisch
genauen Schilderungen von diversen Zeremonien, macht das Lesen doch
recht anstrengend und ermüdend.