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L.E.Modesitt jr.
Schwerkraftträume

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

„Dem Geborenen ist der Tod gewiss; dem Toten ist die Geburt gewiss- schon die allerersten Worte des Romans „Schwerkraftträume“ vermögen die herrlich düstere Stimmung heraufzubeschwören, die den Leser durch das ganze Werk begleiten wird.
Der poppige Einband verheißt eine prächtige Space Opera und es handelt sich hierbei auch genau um das, was man sich im Idealfall davon erwarten würde. Angesichts von Errungenschaften wie Raumschiffen und -station, Replikatoren und Nanotechnologie ist im Großen und Ganzes alles dabei, um das Herz eines jeden Bewunderers der SF höher schlagen zu lassen. Und trotz allem wird die Schilderung dieser faszinierenden Technik erfreulicherweise niemals zum Selbstzweck, sondern bleibt ein Hilfsmittel, um das Bild einer zukünftigen Welt zu entwerfen, in der immer noch der Mensch mit seinen Gefühlen im Mittelpunkt steht.

Die Hauptperson ist der junge Tyndel, ein Meister des Dzin, das man sich in etwa als eine Art Religion und Lebensphilosophie vorzustellen hat. Dieses Glaubenssystem hält die streng abgeschottete und technikfeindliche Gesellschaft zusammen. Er glaubt fest an die Überlegenheit des Systems und führt zusammen mit seiner Frau ein ruhiges und glückliches Leben.
Der Zustand ändert sich schlagartig, als Tyndel sich mit Naniten infiziert und damit zu etwas wird, das die Menschen als einen „Dämon“ bezeichnen.
Er muss aus seiner Heimat fliehen, verliert dabei alles und gerät mit einem Schlag in die hochtechnualisierte Welt der Dämonen. Sie alle sind von Naniten durchdrungen, die es ihnen ermöglichen, nicht nur stärker und ausdauernder zu sein, sondern mit deren Hilfe sich auch Wissen binnen kürzester Zeit übermitteln lässt. Von Tyndel wird verlangt, sich auf dem schnellsten Weg an die Gesellschaft anzupassen und ihr zu dienen- zu diesem Zweck muss jeder Bürger erst einmal viele Jahre für den Staat arbeiten.
Tyndel soll ein Pilot werden, der mit Hilfe seines Willens Raumschiffe an die abgelegensten Orte des Universums steuern kann. Er kann und will sich aber nicht richtig einfügen, vor allem wegen seines Glaubens. Das grausame an der Sache ist, dass ihn zwar niemand zu etwas zwingt, er aber dennoch keine echten Wahlmöglichkeiten hat: Weigert er sich, wird ihm eine miese und weitaus härtere Arbeit zugeteilt, erfüllt er auch diese nicht, wird er mittels spezieller Naniten seines freien Willens beraubt. Zwar steht ihm die Möglichkeit, in seine Heimat zurückzukehren, offen, allerdings werden den dort geltenden Gesetzen nach alle nanitenverstärkte Menschen zum Tode verurteilt.
Schließlich wird er auf einer entlegenen Raumstation zu besonders schwerer Arbeit in der Schwerelosigkeit eingesetzt, trotz allem bleibt er in seiner Weigerung standhaft. Bald wird klar, dass diesem wichtigen Beruf, ohne den das über den Weltraum verstreute Reich nur allzu bald zerfallen würde, große Bedeutung zukommt und nur wenige die Begabung haben, diesen auszuführen. Erst der Tod seiner neuen großen Liebe stimmt ihn um.
Nach erfolgreichem Absolvieren der Ausbildung dauert es nicht lange, bis Tyndel mit einem Schiff in den Weltraum starten und sich bewähren kann. Dabei begegnet er in einer Anomalie, in der schon zahlreiche Schiffe verschollen sind, einem mächtigen, gottgleichen Wesen...

Dieses Buch erfüllt alle Erwartungen, die man an einen Science-Fiction Roman nur haben kann. Es wird eine derartige Vielzahl an Themen ausgeschöpft, dass der Stoff durchaus auch für mehrere Werke reichen würde. Zudem wird alles von sprachlicher Perfektion und einer Liebe zum Detail durchdrungen, die das Gefühl vermittelt, tatsächlich selbst dabei zu sein. Die Dialoge regen zum Nachdenken an, ohne jemals belehrend zu sein und die gut entwickelten und überzeugenden Charaktere bieten vielfache Identifikationsmöglichkeiten.
Angesichts dieser hervorragenden, wenn nicht gar vollkommenen Neuerscheinung wird endlich der langersehnte Beweis erbracht, dass das Genre Science-Fiction noch immer zu mehr fähig ist, als zu einem weiteren „Buch zum Film“ oder einer ähnlich unerfreulichen Massenproduktion.