„Dem Geborenen ist der Tod gewiss;
dem Toten ist die Geburt gewiss- schon die allerersten Worte des
Romans „Schwerkraftträume“ vermögen die herrlich düstere
Stimmung heraufzubeschwören, die den Leser durch das ganze Werk
begleiten wird.
Der poppige Einband verheißt eine prächtige Space Opera und es
handelt sich hierbei auch genau um das, was man sich im Idealfall
davon erwarten würde. Angesichts von Errungenschaften wie
Raumschiffen und -station, Replikatoren und Nanotechnologie ist im Großen
und Ganzes alles dabei, um das Herz eines jeden Bewunderers der SF höher
schlagen zu lassen. Und trotz allem wird die Schilderung dieser
faszinierenden Technik erfreulicherweise niemals zum Selbstzweck,
sondern bleibt ein Hilfsmittel, um das Bild einer zukünftigen Welt zu
entwerfen, in der immer noch der Mensch mit seinen Gefühlen im
Mittelpunkt steht.
Die Hauptperson ist der junge
Tyndel, ein Meister des Dzin, das man sich in etwa als eine Art
Religion und Lebensphilosophie vorzustellen hat. Dieses Glaubenssystem
hält die streng abgeschottete und technikfeindliche Gesellschaft
zusammen. Er glaubt fest an die Überlegenheit des Systems und führt
zusammen mit seiner Frau ein ruhiges und glückliches Leben.
Der Zustand ändert sich schlagartig, als Tyndel sich mit Naniten
infiziert und damit zu etwas wird, das die Menschen als einen „Dämon“
bezeichnen.
Er muss aus seiner Heimat fliehen, verliert dabei alles und gerät mit
einem Schlag in die hochtechnualisierte Welt der Dämonen. Sie alle
sind von Naniten durchdrungen, die es ihnen ermöglichen, nicht nur stärker
und ausdauernder zu sein, sondern mit deren Hilfe sich auch Wissen
binnen kürzester Zeit übermitteln lässt. Von Tyndel wird verlangt,
sich auf dem schnellsten Weg an die Gesellschaft anzupassen und ihr zu
dienen- zu diesem Zweck muss jeder Bürger erst einmal viele Jahre für
den Staat arbeiten.
Tyndel soll ein Pilot werden, der mit Hilfe seines Willens Raumschiffe
an die abgelegensten Orte des Universums steuern kann. Er kann und
will sich aber nicht richtig einfügen, vor allem wegen seines
Glaubens. Das grausame an der Sache ist, dass ihn zwar niemand zu
etwas zwingt, er aber dennoch keine echten Wahlmöglichkeiten hat:
Weigert er sich, wird ihm eine miese und weitaus härtere Arbeit
zugeteilt, erfüllt er auch diese nicht, wird er mittels spezieller
Naniten seines freien Willens beraubt. Zwar steht ihm die Möglichkeit,
in seine Heimat zurückzukehren, offen, allerdings werden den dort
geltenden Gesetzen nach alle nanitenverstärkte Menschen zum Tode
verurteilt.
Schließlich wird er auf einer entlegenen Raumstation zu besonders
schwerer Arbeit in der Schwerelosigkeit eingesetzt, trotz allem bleibt
er in seiner Weigerung standhaft. Bald wird klar, dass diesem
wichtigen Beruf, ohne den das über den Weltraum verstreute Reich nur
allzu bald zerfallen würde, große Bedeutung zukommt und nur wenige
die Begabung haben, diesen auszuführen. Erst der Tod seiner neuen großen
Liebe stimmt ihn um.
Nach erfolgreichem Absolvieren der Ausbildung dauert es nicht lange,
bis Tyndel mit einem Schiff in den Weltraum starten und sich bewähren
kann. Dabei begegnet er in einer Anomalie, in der schon zahlreiche
Schiffe verschollen sind, einem mächtigen, gottgleichen Wesen...
Dieses Buch erfüllt alle
Erwartungen, die man an einen Science-Fiction Roman nur haben kann. Es
wird eine derartige Vielzahl an Themen ausgeschöpft, dass der Stoff
durchaus auch für mehrere Werke reichen würde. Zudem wird alles von
sprachlicher Perfektion und einer Liebe zum Detail durchdrungen, die
das Gefühl vermittelt, tatsächlich selbst dabei zu sein. Die Dialoge
regen zum Nachdenken an, ohne jemals belehrend zu sein und die gut
entwickelten und überzeugenden Charaktere bieten vielfache
Identifikationsmöglichkeiten.
Angesichts dieser hervorragenden, wenn nicht gar vollkommenen
Neuerscheinung wird endlich der langersehnte Beweis erbracht, dass das
Genre Science-Fiction noch immer zu mehr fähig ist, als zu einem
weiteren „Buch zum Film“ oder einer ähnlich unerfreulichen
Massenproduktion.