Selten genug, dass ein kaum
bekanntes Buch es tatsächlich verdient hat, als Geheimtipp gehandelt
zu werden. Doch im Falle von Julie Langs „Silberne Augen“ kann man
– ohne jegliche Einschränkungen treffen zu müssen – mit Recht
von einem solchen sprechen.
Als Fan von Sciencefiction werden die Erwartungen, die ich an dieses
Genre richte, nicht nur erfüllt, sondern in hohem Maße übertroffen.
Vorausgeschickt sollte jedoch gesagt werden, dass es sich hierbei um
Unterhaltungsliteratur handelt. Daran ist auch gar nichts auszusetzen:
ganz im Gegenteil ist mir nicht so sehr verhasst, als wenn ein
halbgarer, langweiliger Text kurzerhand mit dem Prädikat
„anspruchsvoll“ versehen wird.
Dieser Roman ist einfach nur spannend, was vor allem daran liegt, dass
der Handlungsbogen nicht unnötig abschweift und tatsächlich jede
Szene wichtig ist. Vom Inhalt her hätte man die fast 350 Seiten
locker zu einer Trilogie aufblasen können – ich danke der Autorin
und dem Verlag, dass das nicht geschehen ist!
Hauptperson dieses Romans ist die junge Kampfpilotin Kim Miland, eine
starke Frau, die sich in der immer noch männerdominierten Welt wacker
behaupten kann. Sie ist ihrer Flotte treu, dennoch keine hirnlose
Befehlsempfängerin – eine Eigenschaft, die ihr noch viele Probleme
bereiten wird.
Zu Beginn sollen ihre Kollegen und sie neue Kampfflieger zu einer
Raumstation bringen und ihre Flugtechnik perfektionieren. Dort
erwartet sich Captain Sooligoi, der aufgrund seiner Härte von allen
nur „Hitman“ genannt wird, der insbesondere Kim bis aufs Blut quält.
Der verlustreiche Krieg gegen die außerirdischen Noorai, bei dem Kim
als Kind ihre Eltern verloren hat, macht diese ständige Wachsamkeit
notwendig.
Doch dann kommt eine größere Bedrohung auf die Menschheit zu: Eine
unbekannte Wolke, die vor allem Kinder entführt. Ausgerechnet mit dem
unausstehlichen Hitman muss Kim auf diese Wolke treffen und von ihr
auf einem unwirtlichen Planten ausgesetzt werden.
Diese besteht aus außerirdischen Wesen, die es besonders auf Kim
abgesehen haben, da sie zu ihr offenbar besonders leicht
telepathischen Kontakt herstellen können. Sie wollen ihr Wissen vergrößern
und sind nicht direkt böse – allerdings sind diese sehr mächtig
und verstehen vieles, was die Menschen betrifft, nicht, was sie
durchaus gefährlich macht.
Mehrmals stellen die Fremden zu ihr Kontakt her und dann ergibt sich für
Kim unerwartet die Möglichkeit, für die Rückgabe der entführten
Kinder zu sorgen – gegen das Versprechen, freiwillig zu den Fremden
zurückzukehren und ihnen ihre Fragen zu beantworten.
Doch die Übergabe läuft schief, trotzdem muss Kim ihr Wort halten.
Sie kann die Fremden nicht richtig sehen, um die Kontaktaufnahme zu
erleichtern, werden ihre Augen kurzerhand umoperiert. Von nun an sind
diese silbern.
Kim darf zurückkehren – doch plötzlich scheinen sich alle gegen
sie verschworen zu haben. Ihr wird vorgeworfen, den Außerirdischen
militärische Geheimnisse anvertraut zu haben, obwohl sie ihnen stets
nur einfache Begriffe menschlichen Daseins erklärt hatte. Die
Verhandlung vor einem Militärgericht ist eine einzige Farce. Obwohl
sie eindeutig unschuldig ist, dreht man ihr aus ihren Aussagen, früheren
Verweigerungen unsinniger Befehle und sogar aus ihrer Reaktion auf
schwere persönliche Schicksalsschläge einen Strick. Sie wird zu
lebenslanger, gefährlicher Zwangsarbeit in einem Bergwerk verurteilt.
Gerade bei der Gerichtsverhandlung merkt man das Geschick der Autorin,
verschiedenste Charaktere aufeinander prallen zu lassen und dabei in
keiner Sekunde die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Als Leser habe ich
noch nie so mit einem Protagonisten mitgelitten wie bei diesen Szenen!
Die Handlung ist natürlich längst noch nicht vorbei und eines Tages
kommt der Zeitpunkt, wo Kim wieder auf die Fremden trifft – und sie
wird auch wieder Kampfpilotin, die einen neuerlichen Angriff der
Noorai abwehren muss. Aber darauf möchte ich jetzt nicht zu genau
eingehen, da ich bereits jetzt schon fast zu viel von der
wendungsreichen Handlung verraten habe. Der Leser möge das bei der
eigenen Lektüre herausfinden – wie bereits erwähnt: es lohnt sich!