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Julie Lang
Silberne Augen

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Selten genug, dass ein kaum bekanntes Buch es tatsächlich verdient hat, als Geheimtipp gehandelt zu werden. Doch im Falle von Julie Langs „Silberne Augen“ kann man – ohne jegliche Einschränkungen treffen zu müssen – mit Recht von einem solchen sprechen.
Als Fan von Sciencefiction werden die Erwartungen, die ich an dieses Genre richte, nicht nur erfüllt, sondern in hohem Maße übertroffen. Vorausgeschickt sollte jedoch gesagt werden, dass es sich hierbei um Unterhaltungsliteratur handelt. Daran ist auch gar nichts auszusetzen: ganz im Gegenteil ist mir nicht so sehr verhasst, als wenn ein halbgarer, langweiliger Text kurzerhand mit dem Prädikat „anspruchsvoll“ versehen wird.
Dieser Roman ist einfach nur spannend, was vor allem daran liegt, dass der Handlungsbogen nicht unnötig abschweift und tatsächlich jede Szene wichtig ist. Vom Inhalt her hätte man die fast 350 Seiten locker zu einer Trilogie aufblasen können – ich danke der Autorin und dem Verlag, dass das nicht geschehen ist!
Hauptperson dieses Romans ist die junge Kampfpilotin Kim Miland, eine starke Frau, die sich in der immer noch männerdominierten Welt wacker behaupten kann. Sie ist ihrer Flotte treu, dennoch keine hirnlose Befehlsempfängerin – eine Eigenschaft, die ihr noch viele Probleme bereiten wird.
Zu Beginn sollen ihre Kollegen und sie neue Kampfflieger zu einer Raumstation bringen und ihre Flugtechnik perfektionieren. Dort erwartet sich Captain Sooligoi, der aufgrund seiner Härte von allen nur „Hitman“ genannt wird, der insbesondere Kim bis aufs Blut quält.
Der verlustreiche Krieg gegen die außerirdischen Noorai, bei dem Kim als Kind ihre Eltern verloren hat, macht diese ständige Wachsamkeit notwendig.
Doch dann kommt eine größere Bedrohung auf die Menschheit zu: Eine unbekannte Wolke, die vor allem Kinder entführt. Ausgerechnet mit dem unausstehlichen Hitman muss Kim auf diese Wolke treffen und von ihr auf einem unwirtlichen Planten ausgesetzt werden.
Diese besteht aus außerirdischen Wesen, die es besonders auf Kim abgesehen haben, da sie zu ihr offenbar besonders leicht telepathischen Kontakt herstellen können. Sie wollen ihr Wissen vergrößern und sind nicht direkt böse – allerdings sind diese sehr mächtig und verstehen vieles, was die Menschen betrifft, nicht, was sie durchaus gefährlich macht.
Mehrmals stellen die Fremden zu ihr Kontakt her und dann ergibt sich für Kim unerwartet die Möglichkeit, für die Rückgabe der entführten Kinder zu sorgen – gegen das Versprechen, freiwillig zu den Fremden zurückzukehren und ihnen ihre Fragen zu beantworten.
Doch die Übergabe läuft schief, trotzdem muss Kim ihr Wort halten. Sie kann die Fremden nicht richtig sehen, um die Kontaktaufnahme zu erleichtern, werden ihre Augen kurzerhand umoperiert. Von nun an sind diese silbern.
Kim darf zurückkehren – doch plötzlich scheinen sich alle gegen sie verschworen zu haben. Ihr wird vorgeworfen, den Außerirdischen militärische Geheimnisse anvertraut zu haben, obwohl sie ihnen stets nur einfache Begriffe menschlichen Daseins erklärt hatte. Die Verhandlung vor einem Militärgericht ist eine einzige Farce. Obwohl sie eindeutig unschuldig ist, dreht man ihr aus ihren Aussagen, früheren Verweigerungen unsinniger Befehle und sogar aus ihrer Reaktion auf schwere persönliche Schicksalsschläge einen Strick. Sie wird zu lebenslanger, gefährlicher Zwangsarbeit in einem Bergwerk verurteilt.
Gerade bei der Gerichtsverhandlung merkt man das Geschick der Autorin, verschiedenste Charaktere aufeinander prallen zu lassen und dabei in keiner Sekunde die Glaubwürdigkeit zu verlieren. Als Leser habe ich noch nie so mit einem Protagonisten mitgelitten wie bei diesen Szenen!
Die Handlung ist natürlich längst noch nicht vorbei und eines Tages kommt der Zeitpunkt, wo Kim wieder auf die Fremden trifft – und sie wird auch wieder Kampfpilotin, die einen neuerlichen Angriff der Noorai abwehren muss. Aber darauf möchte ich jetzt nicht zu genau eingehen, da ich bereits jetzt schon fast zu viel von der wendungsreichen Handlung verraten habe. Der Leser möge das bei der eigenen Lektüre herausfinden – wie bereits erwähnt: es lohnt sich!