Startseite

Veröffentlichungen

Vorschau

News

Leseproben

Hörproben

Bildergalerie

Presse und mehr

Rezensionen

Links

Kontakt

Lesungen

Blog

Gästebuch

Harald Buwert (Hg.)
Zeitspur 1

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Auf den ersten Blick scheint die erste Ausgabe des Zeitspurmagazins ein eher schlichtes Machwerk zu sein. A4-Format, Einband aus gelbem Kopierkarton, Mittelheftung, Bilder nur in Schwarz-Weiß.
Jedoch ist das ganze durchaus einen zweiten Blick wert: Die Aufmachung mag eher einfach sein gegen am Kiosk angebotene Hochglanzmagazine, doch der Druck ist angenehm lesbar und die Gliederung übersichtlich.
Worauf es wirklich ankommt, ist jedoch der Inhalt und der überrascht! Neben einigen kleineren, recht gemischten Texten zwischen Science-fiction und Wissenschaft sind es vor allem die Kurzgeschichten, die restlos überzeugen. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir wohl die Geschichte von Andreas Gruber, der ja innerhalb des deutschen Science-fiction Fandoms nun wirklich nicht mehr als unbeschriebenes Blatt zu bezeichnen ist. Der Leser wird gleich einmal vorgewarnt, dass es in diesem Werk „wirklich nicht fein zugeht“. Das ist sicher wahr - aber gut unterhalten wurde ich von „Holotec-Services“, wo typisch männliches Verhalten karikiert wird, auf jeden Fall.
Eine weitere auf der heiteren Seite angesiedelte Geschichte ist „Sprung-Gefahr“, wo Frank Stoiner über einen seltsamen Koch und seine noch eigenartigeren Zutaten - natürlich alles vor einem SF-Hintergrund - berichtet. Harald Buwerts „Der Tag, an dem mich Clark Ellert gebar“ stellt meiner Ansicht nach eher einen Erlebnisbericht, in dem möglicherweise ein bisschen etwas erfunden ist, als eine wirkliche Geschichte, dar. Mich überrascht hier vor allem die Unverblümtheit des auch als Herausgeber des Magazin fungierenden Schreibers, der aus der deutschsprachigen Science-fiction Szene wohlbekannte Namen ohne die geringste Verschlüsselung verwendet.
Als ich bei der Einleitung herausfand, dass sich Wolfram Kobers „Zaatar“ mit Zeitreisen beschäftigt, war meine erste Reaktion wohl ein entnervtes Augenrollen, begleitet von dem Gedanken: „Nicht schon wieder!“. Doch die hier verwendete Theorie, die für mich als relativen Physiklaien sogar ganz plausibel klingt, ist mir neu und wovon das ganze lebt, ist die unglaublich gut gelungene Darstellung der Charaktere.
Volker Hagelsteins „Perlenlied“ beschäftigt sich mit einem selbsternannten Psychotherapeuten und einem Besucher seiner Veranstaltungen, den tiefster Hass mit diesem verbindet. Die beiden sprechen miteinander - interessante Gedankengänge sind es, aber für mich als Leser nicht immer nachvollziehbar.
Neben den Kurzgeschichten gibt es noch weiteren literarischen Lesestoff, nämlich zwei Auszüge aus Romanen des Verlagsprogramms, nämlich aus Klaus Koepps „Biomatrix“ und aus „Harri Schill - Der Guru mit den 1000 Gesichtern“. Leider geht bei letzterem Machwerk aus dem Magazin nicht hervor, wer es nun geschrieben hat - oder ist Harri Schill etwa Autor und Protagonist in einer Person?
Ob einem die Auszüge nun gefallen oder auch nicht, sie weisen jedenfalls eine so vernünftige Länge auf, dass der Leser einen ausreichenden Eindruck von den Romanen erhält und sich so eine Meinung bilden kann.
Anschließend wartet Araldo Boverti mit seinen „Traumatischen Poemen“ auf, einigen modernen Gedichten, die auf recht ästhetische Weise vor den Gefahren von Atomkraft und -kriegen warnen.
Wie man bei einer Zeitschrift erwartet, besteht der Inhalt natürlich nicht nur aus kreativen Ergüssen, sondern es gibt durchaus auch einige Artikel. Ein paar kleine für zwischendurch, einiges davon recht Matrix-lastig. Erwähnenswert erscheint mir Wolfram Kobers „Spuren in der Zeit“, worin der Verfasser endlich mal die sonst so verbreiteten Jammerei um die Stellung der Science-fiction in unserer Gesellschaft aufgibt und ein optimistisches, aber dennoch halbwegs realistisches Bild dazu entwirft.