Auf den ersten Blick scheint
die erste Ausgabe des Zeitspurmagazins ein eher schlichtes Machwerk zu
sein. A4-Format, Einband aus gelbem Kopierkarton, Mittelheftung,
Bilder nur in Schwarz-Weiß.
Jedoch ist das ganze durchaus einen zweiten Blick wert: Die Aufmachung
mag eher einfach sein gegen am Kiosk angebotene Hochglanzmagazine,
doch der Druck ist angenehm lesbar und die Gliederung übersichtlich.
Worauf es wirklich ankommt, ist jedoch der Inhalt und der überrascht!
Neben einigen kleineren, recht gemischten Texten zwischen
Science-fiction und Wissenschaft sind es vor allem die
Kurzgeschichten, die restlos überzeugen. Besonders in Erinnerung
bleiben wird mir wohl die Geschichte von Andreas Gruber, der ja
innerhalb des deutschen Science-fiction Fandoms nun wirklich nicht
mehr als unbeschriebenes Blatt zu bezeichnen ist. Der Leser wird
gleich einmal vorgewarnt, dass es in diesem Werk „wirklich nicht
fein zugeht“. Das ist sicher wahr - aber gut unterhalten wurde ich
von „Holotec-Services“, wo typisch männliches Verhalten karikiert
wird, auf jeden Fall.
Eine weitere auf der heiteren Seite angesiedelte Geschichte ist
„Sprung-Gefahr“, wo Frank Stoiner über einen seltsamen Koch und
seine noch eigenartigeren Zutaten - natürlich alles vor einem
SF-Hintergrund - berichtet. Harald Buwerts „Der Tag, an dem mich
Clark Ellert gebar“ stellt meiner Ansicht nach eher einen
Erlebnisbericht, in dem möglicherweise ein bisschen etwas erfunden
ist, als eine wirkliche Geschichte, dar. Mich überrascht hier vor
allem die Unverblümtheit des auch als Herausgeber des Magazin
fungierenden Schreibers, der aus der deutschsprachigen Science-fiction
Szene wohlbekannte Namen ohne die geringste Verschlüsselung
verwendet.
Als ich bei der Einleitung herausfand, dass sich Wolfram Kobers „Zaatar“
mit Zeitreisen beschäftigt, war meine erste Reaktion wohl ein
entnervtes Augenrollen, begleitet von dem Gedanken: „Nicht schon
wieder!“. Doch die hier verwendete Theorie, die für mich als
relativen Physiklaien sogar ganz plausibel klingt, ist mir neu und
wovon das ganze lebt, ist die unglaublich gut gelungene Darstellung
der Charaktere.
Volker Hagelsteins „Perlenlied“ beschäftigt sich mit einem
selbsternannten Psychotherapeuten und einem Besucher seiner
Veranstaltungen, den tiefster Hass mit diesem verbindet. Die beiden
sprechen miteinander - interessante Gedankengänge sind es, aber für
mich als Leser nicht immer nachvollziehbar.
Neben den Kurzgeschichten gibt es noch weiteren literarischen
Lesestoff, nämlich zwei Auszüge aus Romanen des Verlagsprogramms, nämlich
aus Klaus Koepps „Biomatrix“ und aus „Harri Schill - Der Guru
mit den 1000 Gesichtern“. Leider geht bei letzterem Machwerk aus dem
Magazin nicht hervor, wer es nun geschrieben hat - oder ist Harri
Schill etwa Autor und Protagonist in einer Person?
Ob einem die Auszüge nun gefallen oder auch nicht, sie weisen
jedenfalls eine so vernünftige Länge auf, dass der Leser einen
ausreichenden Eindruck von den Romanen erhält und sich so eine
Meinung bilden kann.
Anschließend wartet Araldo Boverti mit seinen „Traumatischen
Poemen“ auf, einigen modernen Gedichten, die auf recht ästhetische
Weise vor den Gefahren von Atomkraft und -kriegen warnen.
Wie man bei einer Zeitschrift erwartet, besteht der Inhalt natürlich
nicht nur aus kreativen Ergüssen, sondern es gibt durchaus auch
einige Artikel. Ein paar kleine für zwischendurch, einiges davon
recht Matrix-lastig. Erwähnenswert erscheint mir Wolfram Kobers
„Spuren in der Zeit“, worin der Verfasser endlich mal die sonst so
verbreiteten Jammerei um die Stellung der Science-fiction in unserer
Gesellschaft aufgibt und ein optimistisches, aber dennoch halbwegs
realistisches Bild dazu entwirft.