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 Ulrike Stegemann (Hg.)
Elfenschrift 13

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Wasser - so lautet das Thema der 13. Ausgabe der Elfenschrift. Nun, wir alle kennen Wasser: Es ist der Stoff, der uns unser Leben überhaupt ermöglicht, unser Körper besteht aus über sechzig Prozent davon, der Mensch sollte täglich 1 1/2 Liter davon konsumieren und mindestens ebenso oft nervt uns der endlos lange Webspot über dieses rosafarbene Mineral, das - oh Wunder! - nicht nur den Durst stillen, sondern auch "frivolisierend" wirken soll.

Aber trotz alledem: Findet sich angesichts eines solchen Themas, das einerseits allgemein genug ist, um keine konkrete Richtung vorzugeben und andererseits gleichzeitig auch wieder so einengend, dass man normalerweise nichts dazu in der Schublade liegen hat, ein Autor in der literarischen Wüste wider?

Nun, das kann natürlich passieren. Aber keine Angst: Den Schreibern der Elfenschrift ist für die Ausgabe schon genug für die kurzweilige Unterhaltung des Lesers eingefallen.

Wer sich auf das Thema einstimmen möchte, dem empfehle ich, sich gleich nach der Lektüre des kurz gehaltenen Vorworts von Herausgeberin Ulrike Stegemann und ihrer Mitarbeiterin Rena Larf den Artikel zum Thema von Erik Schreiber, dessen Name ja insbesondere durch seine "Bücherbriefe" bekannt sein dürfte, zu Gemüte zu führen - auch wenn dieser erst im hinteren Drittel steht.

Ansonsten besteht der Hauptteil wie immer aus Kurzgeschichten, aber - und das ist in dieser Ausgabe gegenüber der vorigen anders - es gibt dieses Mal auch eine ganze Reihe von Gedichten.

Nun aber zu den Geschichten: Überraschenderweise ging die Richtung, in der sich die Texte bewegten, gar nicht so weit auseinander. Abgesehen von einem Werk hätte das Thema genauso gut "Das Meer" lauten können. Wasser in anderer Form, ob nun in Seen, Teichen, Pfützen, als Regen, einzelne Tropfen, in der Kanalisation oder als Getränk wurde nicht thematisiert.

Einzig die Geschichte "Eine Reportage des Grauens" von Thomas Backus fällt hier etwas aus dem Rahmen, da es hier um eine gespenstische Wassermühle geht. Hierin will der Chefredakteur einer Regionalzeitung aufklären, was es mit Fotos einer Art von Hexenritual um die sogenannte Teufelsmühle auf sich hat. Diese wurde zwar zerstört, aber man erzählt sich immer noch Geschichten davon - dass sie zu Zeiten der Not als einzige Mühle noch betrieben wurde, aber die Brote, die aus dem Mehl gebacken wurden, nicht satt machten und vielen Menschen den Tod brachten. Da ich selbst lieber etwas Deftigeres in Richtung Horror lese als romantisch-verklärte, märchenhafte Geschichten, ist das auch gleichzeitig meine Lieblingsgeschichte aus dieser Ausgabe.

Weiters enthalten sind "Seemannsgrab" von Katja Leonardt und "Atlantis im Herzen" von Brigit Kleemaier. Nun, beide Geschichten sind denkbar ähnlich, in der einen geht ein Mann über Bord, in der anderen eine Frau. Beide werden gerettet, sie von einer Meerjungfrau, die sie nach Atlantis führt und ihr hilft, die wahre Liebe zu erkennen, er von dem Geist einer Frau, die nach den Tod ihres Sohnes Selbstmord durch Ertrinken verübt hat. Beide sind nett geschrieben, aber leider so wenig ungewöhnlich, dass ich die zwei Geschichten wohl schon sehr bald vergessen haben werde.

Dann gibt es noch Petra Hartmanns "Der Leuchtturm am Ende der Welt", worin erzählt wird, wie der junge Elektryon seinen Traum nach einem eigenen Leuchtturm, der verhindern soll, dass so viele Schiffe wie in der Vergangenheit auf den Felsen auflaufen, auf ungewöhnliche Weise verwirklicht.

Fein finde ich auf jeden Fall, dass die Elfenschrift eben nicht nur Kurzgeschichten bringt - immerhin möchte man bei aller Liebe dafür auch gerne mal was Lockeres für zwischendurch. Und genau darin sollte sich ja idealerweise ein Fanzine von einer Anthologie unterscheiden.

Neben dem bereits erwähnten Artikel und den Gedichten gibt es zwei Verlosungen, ein Interview mit Katja Brandis, einer Autorin von Jugendbüchern über Delfine, ein Künstlerportrait von Tanja Meurer, die das wirklich schöne Titelbild dieser Ausgabe geschaffen hat (mir gefällt daran besonders, dass sie eben nicht versucht, bei den Herren der Schöpfung mit nackter Haut der dargestellten Person zu punkten wie manche andere Coverkünstler, sondern dass das Bild durch ästhetische und farbliche Harmonie so besticht, dass Tanja das nicht nötig hat) sowie einiger Rezensionen, die erfreulicherweise ebenfalls etwas mit dem Thema dieser Ausgabe zu tun haben.