Endlich einmal ein Buch, bei
dem man sich nicht an einer schlechten Übersetzung stoßen muss,
sondern in Genuss einer deutschen Originalausgabe kommt. Und nicht nur
das: Schon die Grundidee von „Der Zensor“ klingt außerordentlich
vielversprechend. Etwas über 100 Jahre nach unserer Zeit beherrschen
die Maya Europa, ihre Macht entspringt ihrer hochentwickelten
Nanotechnologie. Das Zentrum des Reiches liegt in der Hauptstadt
Nanotikal mitten in Spanien, die von einem biotechnisch erzeugten
Urwald umgeben ist. Oberster Sicherheitsbeamte ist der Zensor Yaqui,
der als titelgebende Hauptperson auch gleichzeitig über einen äußerst
interessanten Charakter verfügt: Einerseits ein fähiger und einflussreicher
Staatsmann, für den Intrigen zu spinnen und andere auszuspionieren
eine Selbstverständlichkeit geworden ist, andererseits ist er auch
ein Sonderling und Außenseiter unter den Adeligen, dessen menschliche
Seite absolut unsentimental und glaubwürdig mehr und mehr
heraustritt.
Daneben gibt es noch einen
zweiten Handlungsstrang, in dem der Hauptakteur Enrique für eine
spanische Widerstandsbewegung, die gegen die Unterdrückung der
spanischen Bevölkerung durch die Maya gerichtete ist, kämpft. Sein
Auftrag lautet, eine nanotechnische Wunderwaffe zu transportieren,
allerdings wird er über keinerlei Details informiert.
Im Laufe der Handlung
entwickeln sich geradezu unglaubliche Parallelen im Leben der beiden
Hauptcharaktere, die ja im Grunde genommen erbitterte Feinde sind.
Beide gelangen hinter ein Geheimnis, das sie nicht kennen dürften,
fallen in Ungnade und letztendlich landen sie - sozusagen als grausame
Ironie des Schicksals- beide in der selben Zelle, den sicheren Tod als
Opfer für die grausamen Mayagötter vor Augen...
Dieser Roman hat mich
schlicht und einfach gefesselt, die Spannung ließ von der ersten bis
zur letzten Seite nicht nach, ich konnte gar nicht anders, als in
jeder freien Sekunde einfach weiterzulesen. Faszinierend ist vor allem
die Darstellung der neuen Mayakultur, wo sich der archaische Götterglaube
mit neuester High-Tech verbindet und die Undurchschaubarkeit der
Politik, die sich gegen Ende hin jedoch für den Leser nachvollziehbar
auflöst. Erwähnenswert finde ich auch das für ein Taschenbuch ungewöhnlich
liebevoll gestaltete Design mit Verzierungen an jeden Kapitelanfang
und interessant ist auch, dass der Autor die Umschlaggrafik selbst
gestaltet hat.
Das einzige, was mich persönlich
ein wenig stört, ist, dass mir die Handlung mitunter einfach schlicht
und einfach zu grotesk wird, aber das nimmt man bei einer spannenden,
originellen und gut durchdachten Geschichte gerne in Kauf.