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Marcus Hammerschmidt
Der Zensor

Eine Rezension von Nina Horvath
 

 

Endlich einmal ein Buch, bei dem man sich nicht an einer schlechten Übersetzung stoßen muss, sondern in Genuss einer deutschen Originalausgabe kommt. Und nicht nur das: Schon die Grundidee von „Der Zensor“ klingt außerordentlich vielversprechend. Etwas über 100 Jahre nach unserer Zeit beherrschen die Maya Europa, ihre Macht entspringt ihrer hochentwickelten Nanotechnologie. Das Zentrum des Reiches liegt in der Hauptstadt Nanotikal mitten in Spanien, die von einem biotechnisch erzeugten Urwald umgeben ist. Oberster Sicherheitsbeamte ist der Zensor Yaqui, der als titelgebende Hauptperson auch gleichzeitig über einen äußerst interessanten Charakter verfügt: Einerseits ein fähiger und einflussreicher Staatsmann, für den Intrigen zu spinnen und andere auszuspionieren eine Selbstverständlichkeit geworden ist, andererseits ist er auch ein Sonderling und Außenseiter unter den Adeligen, dessen menschliche Seite absolut unsentimental und glaubwürdig mehr und mehr heraustritt.

Daneben gibt es noch einen zweiten Handlungsstrang, in dem der Hauptakteur Enrique für eine spanische Widerstandsbewegung, die gegen die Unterdrückung der spanischen Bevölkerung durch die Maya gerichtete ist, kämpft. Sein Auftrag lautet, eine nanotechnische Wunderwaffe zu transportieren, allerdings wird er über keinerlei Details informiert.

Im Laufe der Handlung entwickeln sich geradezu unglaubliche Parallelen im Leben der beiden Hauptcharaktere, die ja im Grunde genommen erbitterte Feinde sind. Beide gelangen hinter ein Geheimnis, das sie nicht kennen dürften, fallen in Ungnade und letztendlich landen sie - sozusagen als grausame Ironie des Schicksals- beide in der selben Zelle, den sicheren Tod als Opfer für die grausamen Mayagötter vor Augen...

Dieser Roman hat mich schlicht und einfach gefesselt, die Spannung ließ von der ersten bis zur letzten Seite nicht nach, ich konnte gar nicht anders, als in jeder freien Sekunde einfach weiterzulesen. Faszinierend ist vor allem die Darstellung der neuen Mayakultur, wo sich der archaische Götterglaube mit neuester High-Tech verbindet und die Undurchschaubarkeit der Politik, die sich gegen Ende hin jedoch für den Leser nachvollziehbar auflöst. Erwähnenswert finde ich auch das für ein Taschenbuch ungewöhnlich liebevoll gestaltete Design mit Verzierungen an jeden Kapitelanfang und interessant ist auch, dass der Autor die Umschlaggrafik selbst gestaltet hat.

Das einzige, was mich persönlich ein wenig stört, ist, dass mir die Handlung mitunter einfach schlicht und einfach zu grotesk wird, aber das nimmt man bei einer spannenden, originellen und gut durchdachten Geschichte gerne in Kauf.

 

Interview mit Marcus Hammerschmidt über seinen Roman "Der Zensor"